Tag 20 - 17.06.25

Ich habe einen Toten auf dem Gewissen. Aber dazu später.

Der Wecker riss mich gnadenlos um 5 Uhr morgens aus dem Schlaf – freiwillig. Warum? Ganz einfach: Ich wollte dem glühenden Backofen des Tages und den Selfiestick-Armeen im Zion Nationalpark entkommen.

Also schnell ein bisschen Proviant zusammengeworfen, auf mein Motorrad geschwungen und ab ging's durch die morgendämmernde Stille – ein Ritt von gut 30 Minuten.

Am Besucherzentrum war der Parkplatz noch wunderbar leer (Pro-Tipp: Frühaufstehen zahlt sich aus!), also gleich in einen der ersten Shuttlebusse gehüpft. Selbst die Locals waren noch super entspannt. 

„Zion“ ist ein biblischer Begriff, der „Zufluchtsort“ bedeutet – passend für die dramatische Landschaft, die viele als spirituell empfinden. Der Zion Canyon ist bis zu 800 Meter tief – und wurde über Jahrtausende vom Virgin River geformt.

Mein erstes Ziel: der berühmte Riverside Walk. Die Landschaft? Atemberaubend! Steile rote Felswände, smaragdgrünes Wasser, Vögel, die sich über den Fluss unterhielten – es war wie eine Postkarte.

Ich wanderte bis zu dem Punkt, wo der Weg wortwörtlich ins Wasser übergeht. Da ich aber keine Lust auf ein paar triefende Socken und schwappende Boots hatte, kehrte ich dort um.

Eine der beliebtesten Wanderungen führt durch den Virgin River zwischen engen, bis zu 600 Meter hohen Felswänden – oft muss man durch das Wasser waten.

Weiter ging's zum Scout Overlook – einer dieser Orte, wo man denkt: "Ach, so fühlt sich Überleben auf einem Klettersteig an!" Steil, steiler, am steilsten. Ungefähr 350 Höhenmeter auf nur 3,2 km, das lässt ordentlich die Waden glühen. Ich schnaufte mich den Weg hoch, aber der Ausblick war alle Mühe wert.

Tiefe Schluchten, weite Blicke und dieser Gedanke: „Wow, Utah – du bist schon ziemlich episch!“ Zum Glück kam diesmal der anstrengende Teil zu erst und dann ging es Bergab. Nach rund vier Stunden Wanderaction kehrte ich zurück zum Parkplatz und dann zum Hotel, wo mich bereits der Checkout-Countdown hetzte.

Noch schnell einen Snack reinpfeifen, dann ging es ans nächste Drama: mein Vorderreifen war am Ende. Also wirklich. Toter als tot. Das viele Fahren auf der Straße hat ihm nach ca. 5000km den Garaus gemacht.

Ein schneller Anruf bei einem Reifenhändler in Las Vegas – und tatsächlich, sie hatten den passenden Reifen! Also ab auf die Maschine und bei langsam kochenden Temperaturen gute zwei Stunden durch die Wüste gebrettert. Spoiler: Es wurde heiß.

Auf dem Weg nach Las Vegas wird die Landschaft flacher und trockener. Der Horizont ist weit, die Farben gedämpfter: ocker, beige, grau. Ab und zu sieht man einsame Farmen oder Tankstellen. Die Berge im Hintergrund wirken schroff. Es gibt kaum Bäume, hauptsächlich niedriges Buschwerk und gelegentliche Joshua Trees.

Aus der öden, ruhigen Wüste taucht plötzlich ein helles, ausgedehntes Lichtermeer auf. Die Skyline von Las Vegas erscheint mit Hotels, Türmen und dem berühmten „Strip“. Im Kontrast zur verlassenen Weite der Mojave-Wüste wirkt die Stadt wie eine künstliche Oase aus Neonlicht und Beton.

In Vegas angekommen, begrüßte mich mein persönlicher Hitzerekord: 41 Grad. Der Fahrtwind fühlt sich an wie ein gigantischer Folterfön. Der erste Händler konnte den Reifen gerade nicht wechseln, maximal kurz vorm Feierabend. Also Reifen übergestreift, wie der Michelinmann und weiter zum Nächsten.

Glück im Unglück: Dort wurde ich nicht nur schnell bedient, sondern auch super freundlich empfangen. Ein Mechaniker half mir sogar beim Wiedereinbau des Rades. Währenddessen quatschte ich mit dem Team über meine Reise – und alle riefen einstimmig: „Nimm VIEL Wasser mit, wenn du in die Wüste fährst. VIEL! Wirklich, VIEL!!!“

Da ich am nächsten Tag das Death Valley durchqueren musste, fuhr ich am Abend noch möglichst nah an den Rand dieser gigantischen Gluthölle, nach Beatty, Nevada.

Selbst bei Sonnenuntergang war es dort noch heißer als meine Pfanne zu Hause. Mein Plan: früh rein, früh raus – denn Am Nachmittag sollten dort 48 Grad herrschen. Ziel des nächsten Tages: Lone Pine – dort wollte ich wieder auf die legendäre Backcountry Discovery Route California stoßen und weiter gen Norden fahren.