Tag 31 - 28.06.25
Ich erwachte wieder mal recht früh in meiner kleinen Hütte am East Lake, wo der Morgennebel über dem Wasser hängt wie ein vergessener Gedanke.
Nach meinem üblichen Morgenritual, freute ich mich wie ein Kind aufs Karussell: ENDLICH mal wieder warm duschen.
Kleine Hürde: Meine Hütte hatte keine Dusche, also musste ich auf einen Campingplatz mit Münzdusche ausweichen.
Zwei Dollar rein, laut Schild: fünf Minuten warm duschen, baby! Ich war bereit, diese fünf Minuten auszukosten wie ein Wellness-Wochenende.
Spoiler: Nach zwei Minuten kam nur noch arktisches Gletscherwasser. Also hieß es: fröstelnd Seife runterkratzen, kurz meditieren („ich liebe das Abenteuerleben“), und schnell zurück in die Hütte flüchten.
Da ich erst um zehn auschecken musste, genoss ich die Ruhe auf der Veranda am See und tat so, als wäre ich eine entspannte Person.
Mein Plan: Tanken in Bend und dann Richtung Osten aufbrechen und dort auf den BDR-X Oregon.
Ich fuhr also los und gegen 12:30 Uhr rollte ich auf einen Rastplatz für eine gemütliche Mittagspause.
Ich betrachtete mein Motorrad liebevoll – bis ich eine merkwürdige Entdeckung machte: Da steckte etwas in meinem Hinterreifen. Bei genauerem Hinsehen: ein Nagel. Super.
Er verlor noch keine Luft, also dachte ich: Vielleicht Glück gehabt. Nagel rausgezogen, pssssssssch. Okay, kein Glück gehabt.
Also Reifen ausbauen, Schlauch rausholen, flicken, beten. Der geflickte Schlauch hielt zum Glück Luft, also irgendwie wieder zurück in den Reifen wursteln. Aber den Reifen allein wieder auf die Felge zu bekommen? Wer das je gemacht hat, weiß: Hier fängt der Spaß erst richtig an.
Zum Glück bot mir jemand Hilfe an und sogar seinen Kompressor an. Mit viel Schweiß und einem stillen Gebet saß der Reifen irgendwann wieder auf der Felge, wir pumpten ihn auf – er hielt Luft. YES!
Während des Flickens war allerdings etwas Dreck in den Reifen gekommen, und ich sah, dass das Felgenband beschädigt war. Also: Planänderung, ab zurück nach Bend, um den Schlauch professionell wechseln zu lassen.
45 Minuten Fahrt – der Reifen hielt tapfer.
Der erste Motorradladen hatte einen neuen Schlauch, aber niemanden mehr zum Einbauen (ich kam kurz vor Ladenschluss).
Also weiter zum nächsten Laden, der glücklicherweise Zeit hatte. Hinterreifen wieder raus und warten. Und warten. Und warten.
Irgendwann kam ein Mechaniker mit betretenem Gesicht: Sein Kollege hatte den neuen Schlauch beim Einbau eingeklemmt – kleines Leck.
Also alles nochmal von vorne. Immerhin: Neuer Schlauch gratis, und ich musste am Ende gar nichts bezahlen. Ich gab trotzdem zehn Dollar Trinkgeld.
Endlich konnte ich wieder aufbrechen und suchte mir ein Restaurant für ein wohlverdientes Abendessen. Während ich aß, buchte ich mir ein Hotel in Burns.
Und dann fuhr ich wieder los. Von Bend nach Burns auf der US20.
Man verlässt Bend mit Blick auf die schneebedeckten Cascade Mountains im Westen, während man durch offene Flächen mit Ponderosa-Kiefern und Wacholder fährst. Die Erde ist staubig-rot.
Hinter Millican wird die Landschaft immer trockener, und die Bäume weichen weiten, offenen Ebenen mit Salbei und Grasbüscheln. Schwarze Lavagesteinsfelder tauchen gelegentlich am Straßenrand auf, und du kannst kilometerweit über sanft gewelltes Land sehen, während die Luft über dem Asphalt flimmert und kaum Wolken am Himmel zu sehen sind.
Bei Hampton verändert sich die Landschaft zu einer noch offeneren Steppe mit gelben Gräsern und Salbeipolstern, nur manchmal unterbrochen von niedrigen Hügeln und Felsformationen. Verlassene Farmgebäude tauchen am Horizont auf, und lange Reihen von Stromleitungen begleiten dich wie dünne Linien durch diese weite, stille Gegend.
Je näher du Burns kommst, desto mehr weitet sich das Land zu großen Tälern mit Viehweiden, während in der Ferne kleine Seen und sumpfige Gebiete sichtbar werden. Bei gutem Wetter erkennst du die Steens Mountains als blaue Silhouette am südöstlichen Horizont. Diese sind mein Ziel für morgen.
Nach zweieinhalb Stunden Fahrt erreiche ich endlich Burns.
Als ich eingecheckt und meine Sachen ins Zimmer geworfen hatte, gab es endlich die Dusche, auf die ich den ganzen Tag hingefiebert hatte: LANG, WARM, KEIN EISWASSER-SCHOCK.
Danach fiel ich einfach nur totmüde ins Bett.
Moral der Geschichte: Manchmal ist eine warme Dusche mehr wert als jedes Instagram-Foto. Und ein fremder Mensch mit einem Kompressor kann dein Held des Tages sein.