Tag 16 - 12.06.25

Der Tag begann, wie er im Bilderbuch für Camping-Romantiker steht: Stille. Sonnenaufgang. Ein leichter Morgenhauch in der Luft. 


Ich sitze auf einem kleinen Campingplatz irgendwo im Nirgendwo Utahs und freue mich auf mein Frühstück – Porridge, natürlich.
Doch als ich in meine Tasche greife, um meinen treuen Löffel hervorzuholen... gähnende Leere. Das Ding liegt wohl noch auf der Parkbank in Monticello, wo ich gestern eine kurze Snackpause eingelegt hatte. Also: alles wieder einpacken, Helm auf, und zurück in die Zivilisation – Löffel-Rettungsmission!
Zum Glück: Er ist noch da! Mein treuer Begleiter hat brav auf mich gewartet. Jetzt gibt's endlich Frühstück – wie es sich gehört, mit Löffel und viel Appetit.


Gestärkt geht’s dann zurück auf die Backcountry Discovery Route, Richtung Moab. Die Sonne knallt, aber die Landschaft macht alles wett. Ich fahre vorbei am skurril geformten Church Rock, einem massiven Felsmonolithen, der aussieht wie eine aufgebockte Kathedrale mitten in der Wüste. 


Fun Fact: Entgegen des Namens war er nie eine Kirche – aber in den 1940ern wollte ein lokaler Geschäftsmann ihn tatsächlich ausbauen und als religiöses Zentrum nutzen. Die Idee blieb – wie so viele in Utah – in der Wüste stecken.

Dann wird’s holprig: Eine üble, steinige Piste, die meine Bandscheiben in Morsezeichen klopfen lässt. Die Steens Road ist bekannt für ihre schlechten Bedingungen, aber auch für ihre Geschichte: An ihr liegt ein altes, verlassenes Bergwerk – Relikt aus Zeiten, in denen hier Uran gefördert wurde. Heute rostet alles still vor sich hin und erzählt Geschichten von glorreichen – oder eher staubigen – Tagen.


Genug Abenteuer für heute. Ich verlasse den BDR und rolle direkt nach Moab. Die nächsten zwei Tage stehen unter dem Motto: „Erholung“ (soweit das mit 35 Grad im Schatten geht).


Erster Stopp: Motorradwäsche. Nicht weil ich plötzlich eitel bin – aber der Mechaniker soll morgen beim Schrauben keine Staublunge bekommen. 


Danach Glück im Unglück: Ich darf im Hostel schon früher einchecken – Gott sei Dank, bei dieser Hitze!
Also: Taschen runter, Bike zur Werkstatt bringen. Ich fahr nur in T-Shirt, kurzer Hose und Helm – Safety first, aber Komfort ist heute auch wichtig. Die Werkstatt liegt zwei Meilen entfernt, und ich trotte den Rückweg zu Fuß zurück – brütende Hitze inklusive.

Ich rufe erstmal meinen Kumpel Dirk an und schwärme ihm in höchsten Tönen von meinen Wüstenerlebnissen vor, während ich telefoniere. 


Und genau in dem Moment hält ein Jeep neben mir. Der Fahrer – Randy, mein neuer Held des Tages – bietet mir kurzerhand eine Mitfahrgelegenheit bis zum Hostel an. Thanks Randy! Es sind die kleinen Gesten, die Reisen unvergesslich machen.


Zurück im Hostel versuche ich mich an einem Mittagsschläfchen. Der Versuch scheitert kläglich – mein Körper hat andere Pläne, die Hitze sowieso. Also: Dusche. Viel Wasser. 


Und dann... Wäsche waschen. In Moab bedeutet das: 30 Minuten Fußmarsch zur nächsten Wäscherei. Amerika und Entfernungen – eine Hassliebe. Selbst die kleineren Städte wie Moab sind so weitläufig, dass alles weit weg liegt, zumindest zu Fuss.


Fun Fact zu Moab: Einst ein verschlafenes Nest, heute ein Hotspot für Mountainbiker, Kletterer, Offroad-Fans und Instagrammer. Der Name stammt aus der Bibel – eine Region östlich des Toten Meeres. Ein bisschen göttlich fühlt es sich hier tatsächlich an (wenn man Wüstengottheiten und Abenteuergeister mitrechnet).


Nach der Wäsche geht’s zum Essen – nochmal 20 Minuten Fußmarsch, aber es lohnt sich: Beim Thai-Restaurant gibt’s ein traumhaft leckeres Red Curry, das mir wieder Leben in die müden Knochen pustet.


Der Abend klingt aus mit einem gemächlichen Spaziergang zurück zum Hostel. Moab zeigt sich im Abendlicht von seiner besten Seite: warm, lebendig, aber irgendwie immer entspannt.

Spät in der Nacht falle ich ins Bett – todmüde, staubig, zufrieden. Ein Tag, wie er im Reiseblog steht.