Tag 34 - 01.07.25

Dieser Tag sollte wieder heiß werden – in vielerlei Hinsicht, aber dazu später.


Verrückterweise war ich heute mal nach 6 Uhr wach. Aber nur, weil die Zeitzone gewechselt hat.

Der Boden sah auch gestern wieder viel ebener aus, als er sich in der Nacht anfühlte, und ich rutschte wieder wild wie ein Aal über die Matratze. Das scheint inzwischen das neue Normal zu sein.

Immerhin habe ich die Nacht überlebt, und auch am frühen Morgen ist die Sonne hier schon gut warm.


Da es am See keine Bank gibt und ich keine Lust auf Porridge im Stehen hatte, habe ich das Frühstück verschoben und bin nach dem Einpacken einfach losgerollt.

Nach mehreren Tagen in der Wüste war die grüne Natur um mich herum wie Balsam für die Wüstenstaub-geplagte Seele.


Nach kurzer Zeit kam ich am Anderson Ranch Staudamm vorbei, der den South Fork Boise River aufstaut. Der Damm wurde 1950 fertiggestellt, ist 141 Meter hoch und dient zur Stromerzeugung, Bewässerung und Hochwasserschutz – alles in einem.


Außerdem bietet er eine Top-Kulisse für Porridge-Pausen. Ich fand einen Tisch auf einem der Campingplätze und futterte in aller Ruhe mein Frühstück.

Die Nacht war nicht super erholsam, also versuchte ich danach ein Nickerchen. Klappte mittelmäßig, aber immerhin.


Danach ging es weiter auf der Schotterpiste entlang des Sees, und was soll ich sagen: Die Aussicht ist hier echt ‘ne Wucht. Türkisblaues Wasser, eingerahmt von Bergen, Pinienwälder, die bis zum Ufer reichen, und ein Himmel, der so blau war, dass Photoshop neidisch geworden wäre.


Im nächsten kleinen Örtchen Pine (Bevölkerung: mehr Rehe als Menschen), habe ich meine Wasserreserven aufgefüllt. Pine ist ein beliebter Ausgangspunkt für Angler, Offroad-Fahrer und Snowmobile-Fans im Winter – kurzum: Idaho-Idylle pur.


Dann kletterte ich mit meiner motorisierten Bergziege wieder in die Berge, von 1.400 m auf 2.200 m hinauf. Die Temperaturen wurden endlich wieder erträglich, aber die Aussicht wurde heiß: Unendliche Bergpanoramen, darunter der schneebedeckte Trinity Mountain, dichte Pinienwälder, grüne Bergwiesen mit gelben und violetten Blumenflecken, Bachläufe, die sich glitzernd durchs Tal ziehen. 


Ich hatte die ganze Zeit den Songtext „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“ im Kopf – weil er einfach passt.


Dann ging es wieder runter, die Temperaturen stiegen auf knackige 35 Grad, und ich wurde auch „heiß“ – fahrerisch. Die Straße, eine kompakte Erd-Piste, erlaubte einen herrlichen Flow, Kurve links, Kurve rechts, Staubfahne im Rückspiegel, Grinsen im Gesicht.


Im Tal folgte ich unterschiedlichen Armen des Boise River, der in der Sonne smaragdgrün glänzte und glasklar war, dass man jeden Kiesel sehen konnte.

Die Gegend hier am BDR Idaho ist eine Symphonie aus Flussarmen, weiten Kiesbänken, Nadelwäldern und kleinen Lichtungen, auf denen Rehe stehen, während Libellen über dem Wasser tanzen.


Gegen Mittag war ich durchgeschwitzt und musste mich abkühlen. Also: Klamotten aus (bis auf den Schlüppi – ich will ja nicht als Sittenstrolch gelten) und rein in den Fluss!
„Springen“ ist zu optimistisch, ich tappste eher wie ein Storch über glitschige Felsen. Aber das Wasser? Herrlich kalt, glasklar, erfrischend.


Eigentlich wollte ich danach entspannt mein Mittagessen im Halbnackten genießen, aber eine Bremse hielt mich für ihr Mittagsbuffet, also schnell wieder Klamotten an, dann essen.


Nach einer kurzen Schattenpause folgte ich weiter dem Fluss, bis ein Schild meinte, die Straße sei nicht sicher befahrbar. Ein Blick auf die Karte zeigte: Umweg = riesig. Ich dachte mir: „Ich fahr ja ein Offroad-Bike, das wird schon.“ Die Straße war tatsächlich weggespült, 1,5 m runter in einen Bach und wieder hoch. War easy – Bach knöcheltief, Auffahrt nicht steil, ich liebe dieses Motorrad.


Irgendwann traf ich auf die ID21 und bog nach Westen ab. Die Straße folgt dem Payette River, und zwischen Sourdough Lodge und Lowman zeigt Idaho, was es kann: Stromschnellen, die Schaumkronen werfen, während Kajakfahrer sich hineinstürzen, mit Wäldern, die so dicht sind, dass kaum Licht durchkommt, und heißen Quellen, die am Ufer dampfen wie eine frisch geöffnete Tasse Kaffee. 


Neben der Straße gibt es historische Überreste alter Minencamps, verrostete Loren und Schilder, die erzählen, dass hier früher Goldgräber ihr Glück suchten – und manchmal fanden.


Meine Tankanzeige ging auf Reserve. In Lowman wollte ich tanken – leider kein Benzin. Uff. Also zurück nach Haven – auch hier: kein Benzin. Uiuiui. Jetzt wurde es spannend. Die nächste Tankstelle war 10 km entfernt – wenn die auch keins hat, heißt es „Game over“.


Glücklicherweise hatte die Sourdough Lodge Benzin. Ich tankte auf und sah, dass es hier auch ein Restaurant gab. Hunger hatte ich sowieso. Auf der Karte: „Idaho Finger Steaks“. Klang spannend. 


Also bestellt, zusammen mit Pommes und einem kleinen Salat (damit ich mich wenigstens ein bisschen gesund fühle). Finger Steaks sind fingerdicke Steakstreifen, in Teig frittiert – nicht gesund, aber unfassbar lecker.
Da es hier auch WiFi gab, schrieb ich noch zwei Reiseberichte, während ich die Aussicht in die Berge genoss.
Danach fuhr ich zum Mountain View Campingplatz, den ich auf dem Weg nach Lowman schon gesehen hatte. Er liegt idyllisch am Fluss, und es waren noch ein paar Plätze frei. Die Zeltflächen sind schön eingeebnet – endlich mal eine Nacht ohne Rodeo im Schlafsack! Der Fluss plätschert 25 m entfernt, beruhigend wie eine Natur-Meditation.


Ich baute mein Zelt auf, räumte meine Sachen ein und sprang noch einmal zur Erfrischung in den Fluss. Hoffentlich sind dabei keine Fische an Schock ertrunken.
Am Abend sichtete ich die Fotos des Tages, schrieb meine üblichen Notizen und ließ mich dann vom Plätschern des Flusses sanft in den Schlaf wiegen.