Tag 23 - 20.06.25
„Aufwachen auf der Ladefläche eines Transporters – nicht gerade Ritz Carlton, aber hey, zumindest kein Zelt!“
Gegen 6:30 Uhr werde ich wach. Die Sonne malt ihre ersten Strahlen über die Fenster des Transporters, in dem ich heute Nacht geschlafen habe – auf der Transportfläche wohlgemerkt.
Und wisst ihr was? War gar nicht mal so übel. Ehrlich gesagt, war’s sogar deutlich angenehmer als letzte Nacht im Zelt.
Um 8 Uhr macht der Laden auf, auf den Peter seine ganze Hoffnung setzt. Er braucht Dichtungen. Benzindichtungen. Kleine Gummiringe, die über Leben und Tod entscheiden können – na gut, zumindest über Motorlauf oder Spritfontäne. Und siehe da: Jackpot! Die Dinger sind da. Rein damit, alles montiert, und – Halleluja – die Benzinleitung ist dicht.
Die Euphorie währt jedoch nur kurz, denn Peters Kumpel, mit dem wir uns heute eigentlich treffen wollten, hat Probleme mit seiner Motorradkette.
Muss erst in die Werkstatt. Die öffnet – na klar – erst um 10. Also: viel Zeit. Ich nutze die Wartezeit sinnvoll. Luftfilter sauber gemacht, Lenker neu justiert, Federung ein bisschen entspannter eingestellt – mein Hintern wird’s mir danken.
Gemeinsam machen wir auch einen Ölwechsel an Peters Bike. Premiere für uns beide: Er hat’s noch nie gemacht, ich hab’s immer machen lassen. Aber zu zweit klappt’s irgendwie. Schrauben, Fluchen, Lachen – am Ende ist das Öl gewechselt und das Gefühl: mächtig.
Kurz danach trifft auch Peters Kumpel ein – mit zwei weiteren Mitfahrern. Ein ganzer kleiner Motorrad-Konvoi. Peter gibt den Transporter zurück, und los geht’s! Ich fahre jetzt also nicht mehr alleine, sondern hinter vier Motorrädern her. Blöd nur, dass der Untergrund hier aus superfeinem Wüstenstaub besteht. Die Jungs vor mir wirbeln so eine monströse Staubwolke auf, dass ich entweder komplett paniert werde oder mich zurückfallen lassen muss. Ich wähle Variante zwei und atme stattdessen unbesandete Luft. Aber das Drama des Tages hat noch nicht mal richtig begonnen: Nach kurzer Zeit steigt bei Peter eine riesige Dampfwolke aus dem Motorrad auf – er verliert Kühlflüssigkeit der Motor wird zu heiß. Das Thermometer seines Bikes zeigt: "Sauna Deluxe". Wir halten, lassen es abkühlen. Weiterfahren.
Leider wird der Motor trotzdem wieder heiß. Peter entscheidet sich, zur nächsten Werkstatt in Mammoth Lakes zu fahren. Ich bleibe bei der Gruppe und wir cruisen weiter Richtung Bodie. Und was für ein Ort das ist!
Bodie – Willkommen in der Vergangenheit
Bodie ist eine echte Geisterstadt. Nicht „gruselige Halloween-Nummer mit Plastikskeletten“, sondern echte verlassene Goldgräberstadt. Im 19. Jahrhundert lebten hier mal über 10.000 Menschen – Goldrausch, Saloons, Revolverhelden, die volle Ladung Wildwest. Heute: verlassene Holzhäuser, rostende Karren und der Geruch von Geschichte (und Staub).
Ich will Fotos machen. Klar, dass ich hier nicht einfach durchbrausen kann. Die Gruppe allerdings hat’s scheinbar eilig und will nicht warten. Also trenne ich mich.
Einer der Mitfahrer kommt zurück und fragt, wo ich bleibe. Ich erkläre ihm, dass ich vermutlich nie wieder hierher zurück komme – und ich einfach Fotos machen will und die Stimmung aufnehmen.
Wir einigen uns friedlich: Die Gruppe fährt weiter. Ich bleibe. Wieder solo unterwegs – aber das ist völlig okay. Immerhin werde ich nicht weiter eingestaubt und kann tun und lassen was ich will.
Nordwärts – Staubige Schönheit und alte Minen
Die Landschaft nördlich von Bodie ist atemberaubend. Weite Plateaus, eingerahmt von schroffen Hügelketten. Der Wind streicht über niedriges, graugrünes Buschwerk. Es wirkt alles ein bisschen außerirdisch – als ob Nevada hier vergessen hätte, dass es eigentlich Erde ist.
Ich passiere eine alte Mine – die Chemong Mine. Gegründet 1909, die Hauptbetriebsphase dauerte von 1909 bis 1938 und brachte Gold im Wert von über 1 Million USD (damals) hervor. Zusätzlich wurden auch Silber und Kupfer gefördert.
Heute ein verfallenes Gerippe aus Holz und Blech.
Ein Stück weiter lande ich in Bridgeport – einem charmanten Nest mit Westernflair. Gerade mal ein paar Hundert Einwohner, eine historische Hauptstraße, freundliche Menschen, ein paar Cafés. Und Berge im Hintergrund wie gemalt.
Campingleben, oder: Mein Feind, der steinige BodenIrgendwann mache ich mich auf die Suche nach einem Schlafplatz. An einem kleinen See werde ich fündig. Idyllisch, dachte ich. Romantisch, dachte ich.
Denkste.
Der Boden ist so steinig, dass meine Zelt-Heringe beim Einschlagen einfach wieder rausspicken wie Popcorn. Ich fluche. Ich versuche es nochmal. Ich hämmere. Ich fluche lauter. Nach 30 Minuten – und einem Hering, der vermutlich jetzt im Erdkern steckt – steht das Zelt irgendwie schief, aber steht. Leider ist der Boden auch noch uneben, also gleite ich nachts gefühlt bei jedem Umdrehen einen halben Meter hangabwärts. Schlaf? Naja. Nennen wir’s „körperlich anspruchsvolles Ruhen“.
Der nächste Tag sollte es wieder in dich haben. Mit Blut und Notruf.