Tag 51 - 18.07.25
Heute war es soweit: Ich trennte mich von meinem treuen Mitstreiter, meinem Schlachtross, meinem geliebten Zweirad, das mich durch atemberaubende Landschaften, Regen, Staub, Schnee und über diverse US-Highways getragen hatte.
Aber keine Sorge, Drama-Queen-Moment hin oder her, ich hatte erstmal noch einiges vor mir, bevor ich sentimental werden durfte.
Nach dem Aufstehen begann mein Morgen wie jeder andere: Mit dem Frühstücksvorbereiten… nur um es dann nicht zu essen, weil ich erstmal am Bike rumschraubte. Prioritäten, Leute.
Der Luftfilterwechsel stand an.
Ich hatte mir für unterwegs einen nagelneuen Ersatzfilter eingepackt – für den Fall der Fälle, der nie eintrat, weil meine gewechselten Filtersocken gereicht haben.
Egal, jetzt kam der alte Filter in den Müll, der Neue rein, fertig, zack.
Dann putzte ich mal wieder. Es war immer noch nicht sauber, immer noch schwarze, klebrige Flecken. Wenn ein Fleck weg war, entdeckte ich zwei Neue. Verfluchte Fleckenzwerge.
Ich putzte so gründlich, dass meine Finger schmerzten und mein innerer Monk Freudentänze aufführte.
Danach endlich Frühstück. Hatte ich mir verdient.
Nächster Punkt: Ölwechsel.
Motor warm laufen lassen, altes schwarzes Öl raus, Ölfilter wechseln, neues frisches Öl rein, Abdeckungen wieder dran und Bingo, ein weiterer Haken auf der To-Do-Liste.
Die Sonne ballerte und hatte übrigens auch ihre Vorteile: Der neue Vorderreifen war perfekt vorgewärmt für den Reifenwechsel. Vorderrad raus, alter Reifen runter.
Zum Glück war Bob am Start – ein zweites Paar Hände ist beim Reifenwechsel einfach Gold wert.
Der neue Reifen flutschte tatsächlich leichter drauf als der Hinterreifen gestern. Vorderrad wieder rein, fertig.
Finaler Touch: Bike Shine. Viel Bike Shine.
Die Plastikteile glänzten so, dass selbst eine GS vom BMW-Händler neidisch rüberschielen würde. Das Ergebnis? Das Motorrad sah fast aus wie frisch aus dem Showroom, nur mit mehr Kratzern – und ich war mir sicher, dass ich nie wieder so lange und gründlich ein Motorrad putzen würde.
Anderthalb Tage Hat dieser "Spaß" gedauert.
Jetzt ging’s ans Eingemachte: Ich rief beim Händler an, bei dem ich das Bike verkaufen wollte, um zu fragen, was ich mitbringen muss. Termin für 15 Uhr ausgemacht, also Bike auf den Pickup geladen, ordentlich festgezurrt, und los ging’s Richtung Denver zu Motorado.
Nach dem üblichen Stopp-and-Go-Ich-liebe-den-Stadtverkehr-nicht-Kram kamen wir überpünktlich an. Wir hatten sogar noch Zeit, beim Mexikaner nebenan essen zu gehen.
Und jetzt zur Premiere meines Tages: Ceviche. Falls du es noch nie gegessen hast: Ceviche ist roher Fisch, der in Limettensaft mariniert wird, bis er „gart“, dazu gibt’s Zwiebeln, Koriander, Tomaten, Avocado und oft einen leichten Chili-Kick. Frisch, leicht säuerlich, salzig, ein Hauch Schärfe – und es war super lecker. Hätte ich mal früher ausprobieren sollen.
Dann war es soweit: Ab zu Motorado, Colorados größtem Motorradhändler auf Kommissionsbasis. Ein Mitarbeiter schaute sich mein Motorrad an, nickte zufrieden und meinte: „Jo, das verkaufen wir gern.“ Musik in meinen Ohren. Wir machten den Vertrag und sonstigen Papierkram fertig, luden das Motorrad ab – und das war’s. Motorado übernimmt jetzt alles, vom Inserat bis zur Übergabe, und sobald es verkauft ist, bekomme ich mein Geld. Herrlich bequem, vor allem nach 1,5 Tagen Motorradspa.
Nachdem alles erledigt war, war ich tatsächlich erleichtert. Kein Papierkram mehr, keine „Was, wenn“-Gedanken mehr, kein Putzen mehr – jetzt hieß es nur noch: zurück zu Bob, wo ich mich einfach aufs Sofa flätzte und … nichts tat.
Und das war’s. Ein Kapitel endet, das nächste beginnt.