Tag 29 - 26.06.25
Ich erwache, halb eingewickelt in meinen Schlafsack-Burrito, auf einem staubigen Campingplatz nahe dem Eagle Lake. Ein kühler Hauch streift über mein Gesicht, während irgendwo ein Rabe seine Kommentare zum Tag abgibt.
Es ist Zeit für mein morgendliches Ritual, das in etwa so glamourös ist wie ein Westernfilm ohne Happy End:
Porridge aufsetzen, Sachen packen, Morgentoilette (mit Katzenwäsche-Routine Deluxe), Morgengymnastik, Frühstücken, Abfahrt.
Heute ganz ohne Kampf gegen Streifenhörnchen!
Da ich keine Lust auf Zurückfahren habe, überspringe ich ein Stück des BDR und rolle nördlich auf der CA139 weiter. Diese Straße ist wie ein endloser Roadtrip-Traum: sie zieht sich durch weite Hochplateaus, gelbe Wiesen mit Grasbüscheln, die sich im Wind wie Wellen bewegen und verstreuten Kiefern.
Vögel segeln über staubigen Flächen, und ab und zu sehe ich Pronghorn-Antilopen, die mich kurz mustern und dann in eleganten Sprüngen verschwinden. Rechts und links liegen sanfte Hügel, im Hintergrund immer wieder Bergketten wie graublaue Schatten.
Als ich wieder auf den BDR treffe, sticht er wieder tief in die kalifornischen Berge hinein.Was mich hier jedes Mal beeindruckt, sind diese Hochebenen und Wiesen, wo sich kleine Bäche wie Silberlinien durch grüne Teppiche schlängeln, umgeben von Nadelwäldern und Bergen, die wie schlafende Riesen im Morgenlicht liegen. Man kann teilweise bis zum Horizont schauen, ohne auch nur den kleinsten Anschein von Zivilisation zu sehen. Einfach grandios.
Der Weg führt mich auf den Manzanita Mountain, wo ich hoffnungsvoll zum Aussichtsturm laufe – nur um festzustellen, dass er verschlossen ist.
Aber egal: der Ausblick reicht auch so, und ich genieße die frische Luft und das Gefühl von „ganz oben sein“, bevor es wieder hinunter in die Wälder geht.
Auf entspannten, schnellen Schotterpisten rauscht der Fahrtwind um meinen Helm, während ich in den Geruch von Kiefern und Staub eintauche.
Im Städtchen Alturas gönne ich mir einen kleinen Boxenstopp: Vorräte auffüllen, ein paar Snacks aus dem Supermarkt inhalieren und weiter geht’s Richtung Sugar Hill, wo – wer hätte es gedacht – der nächste Aussichtsturm ebenfalls verschlossen ist. Während ich Fotos mache, tauchen Craig und Jeremia auf, zwei andere Abenteurer. Wir plaudern über die Route und Erlebnisse darauf, dann zieht jeder wieder weiter.
Als ich auf die Hauptstraße einbiegen will, steht da ein Schild: „Warte auf Pilot Car“. Hier scheint es üblich zu sein, dass man von einem Baustellenfahrzeug durch die Baustelle eskortiert wird. Da weit und breit nix los ist, fahre ich einfach los.
Tja. Kurz darauf kommt mir das Pilot Car entgegen. Und dahinter – ein Polizist. Na, ratet mal.
Der Polizist dreht um, ich werde meiner ersten Polizeikontrolle auf dieser Tour unterzogen. Er erklärt mir freundlich aber bestimmt, dass ich hätte warten müssen. Glück im Unglück: es bleibt bei einer mündlichen Verwarnung. Ich frage ihn noch, ob er ein Patch tauschen will, aber leider hat er keines dabei. Schade, das wäre ein Souvenir gewesen!
Weiter geht’s, und kurz darauf schließe ich den BDR Nordkalifornien ab und rolle über die Grenze nach Oregon. Im Städtchen Lakeview halte ich an der örtlichen Bibliothek, und schreibe Reiseberichte (danke, Wifi!).
Dann geht es weiter nach Plush, und ich muss zugeben: Ich war unsicher, ob Oregon eine gute Idee ist, weil ich dachte, es sei nur eine Kopie Kaliforniens mit mehr Regen und Bäumen.
Aber falsch gedacht.
Die Gegend um Plush, das Warner Valley und das Hart Mountain sind atemberaubend schön:
Das Warner Valley ist ein weites Mosaik aus gelben Gräsern, blauen Seen, grünen Weideflächen und einem weiten Himmel.
Der Hart Mountain erhebt sich wie eine uralte, felsige Burg, mit steilen Abhängen und Plateaus, die spektakuläre Blicke über das endlose Land bieten.
Plush selbst: Einwohnerzahl etwa 40, alle weit verteilt, ein winziges Geschäft, in dem ich mir einen Burger mit frittiertem Kabeljau und Pommes gönne. Dort treffe ich einen Rancher, der mir erzählt, dass viele hier irische Wurzeln haben und ich in der Wüste besser auf Klapperschlangen achten soll. Ich glaube, er hat nicht gescherzt.
Weiter geht es zum Hart Mountain Campingplatz, malerisch am Fuß des Hart Mountain und am östlichen Rand des Warner Valley gelegen. Das Warner Valley wiederum ist ein Naturjuwel mit Feuchtgebieten und Vogelschutzgebieten, perfekt für alle, die Stille lieben.
Nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe, setze ich mich auf eine Bank und schaue dem Sonnenuntergang zu, der den Himmel in Orange und Rosa färbt. In der Ferne höre ich Kojoten heulen.
Nach dutzenden Mückenstichen, die mich als Buffet nutzten, flüchte ich in mein Zelt und falle irgendwann in einen tiefen, zufriedenen Schlaf.