Tag 48 - 15.07.25
Heute ging ich fremd.
Nämlich meinem treuen Motorrad. Denn heute wurde nur Zug gefahren. Und was für einer – aber dazu gleich mehr.
Diese Nacht war mal wieder viel zu kurz, obwohl ich sogar in einem echten Bett schlafen durfte. Neben Jeff schlief noch ein weiterer Hostelgast in unserem Zimmer, der leider ein Beatmungsgerät brauchte. Dieses Gerät war so laut, dass ich dachte, ein Staubsauger fährt im Zimmer Dauerschichten – an Schlaf war kaum zu denken.
Nachdem diese laute Nacht endlich vorbei war, machte ich mich kurz frisch, packte etwas zu essen und zu trinken ein, verabschiedete mich von Jeff und lief zum Bahnhof von Durango. Dort hatte ich noch genug Zeit, mein Frühstück in Ruhe zu essen, bevor es hieß: Einsteigen!
Denn heute stand etwas Besonderes auf dem Plan: eine Fahrt mit der Durango & Silverton Narrow Gauge Railroad, einer historischen Schmalspurbahn, die seit 1882 zwischen Durango und Silverton fährt.
Ursprünglich wurde sie gebaut, um Silber und Gold aus den Minen rund um Silverton abzutransportieren, heute bringt sie stattdessen staunende Reisende durch eine der beeindruckendsten Landschaften Colorados.
Mein Platz war in einem Freiluftwagen, sodass ich die klare Bergluft und die Landschaft direkt spüren konnte. Und was für eine Landschaft: Die Fahrt führt durch enge Canyons, dichte Pinienwälder und entlang des türkisfarbenen Animas River, der sich wie ein glitzerndes Band durch das Tal schlängelt. Immer wieder öffnet sich der Blick auf schroffe Felsen, Wasserfälle und grüne Täler.
Man fuhr teilweise nur ein Hand breit vom Abgrund entfernt.
Immer wenn es steiler bergauf ging, schnaubte die Diesellok wie ein zorniger Dinosaurier und stieß schwarze Abgaswolken in den blauen Himmel. (Wenn Greta das wüsste, uiuiui.)
Die Fahrt nach Silverton dauerte etwa dreieinhalb Stunden. Der Zug schaukelte gemächlich hin und her, was in Kombination mit der frischen Bergluft und dem gleichmäßigen Rattern der Räder so einschläfernd wirkte, dass ich ein kleines Nickerchen einlegte, während draußen Colorado an mir vorbeizog.
Gegen Mittag kamen wir in Silverton an und hatten zwei Stunden Zeit, den kleinen Ort zu erkunden. Silverton wurde 1874 als Minenstadt gegründet und war einst ein quirliger Ort voller Glücksritter, Saloons und Minenschächte. Heute leben hier nur noch knapp 600 Menschen, doch der Ort hat seinen Westerncharme bewahrt: historische Holzhäuser, eine staubige Main Street und überall Hinweise auf die Vergangenheit als Silberstadt.
Ich spazierte gemütlich durch den Ort, sog die Westernatmosphäre auf und gönnte mir ein Mittagessen, bevor es gegen 14 Uhr wieder zurück nach Durango ging – dieselbe Strecke, diesmal aber bergab.
Und wieder war es beeindruckend, mit Blick auf den Animas River und die dichten Wälder, während der Zug gemütlich in die Kurven schaukelte. Und ja, ich gebe es zu: Ich bin dabei wieder eingenickt.
Zurück in Durango war ich ziemlich müde und lief zurück zum Hostel. Dort machte ich eine schockierende Entdeckung: Der Gast mit dem Beatmungsgerät war noch da. Noch so eine Nacht wollte ich mir nicht antun. Also bin ich zur Rezeption gegangen und habe gefragt, ob man da was machen könnte.
Bingo! Ich bekam ein anderes Zimmer – ganz für mich alleine. Vielen Dank an die freundliche Rezeptionistin!
Ich brachte meine Sachen ins neue Zimmer, aber der Tag hatte mich hungrig gemacht. Also schaute ich nochmal beim Thailänder vorbei, bei dem gestern alles voll war, und Bingo, diesmal war ein Platz frei. Ich gönnte mir ein leckeres Red Curry, genau die richtige Schärfe, genau das Richtige nach einem langen Tag.
Satt und zufrieden ging es zurück ins Hostel, ab ins Bett – und diesmal hoffentlich ohne Schnarchkonzert oder Beatmungsgerät.