Tag 24 - 21.06.25

Oh man… was für eine Nacht. Und damit meine ich nicht die wilde Party am Lagerfeuer oder einen spektakulären Sonnenaufgang über den Bergen – nein. Ich spreche von einer schiefen, holprigen, „Ich-dreh-mich-alle-zehn-Minuten-auf-die-andere-Hüfte“-Art von Nacht.

Der Boden unter meinem Zelt war etwa so eben wie eine Wellenbahn im Skatepark. Aber hey – ich hab’s überlebt. Irgendwie.


Noch halb im Zombie-Modus sah ich, dass Peter mir gestern noch geschrieben hatte: Er will heute nochmal versuchen weiterzufahren. Ich freue mich – Teamgeist und so. 


Ich packe also meine Sachen zusammen, schwinge mich auf mein Bike und rolle zur nächsten Tankstelle.

Tanken, klar. Aber vor allem: Frühstück! Ich ziehe mir mein Standard-Porridge rein. 
Haute Cuisine für Abenteuerer.

Noch während ich kaue, pingt es erneut: Peter schreibt. Diesmal keine guten Nachrichten – seine Kupplung hat endgültig den Dienst quittiert. Was für ein Pechvogel… Also geht’s mal wieder solo weiter.

Ich fahre auf der CA89 nordwärts in die Berge. Die Straße windet sich durch Pinienwälder, vorbei an kristallklaren Bächen, mit Ausblicken, bei denen selbst ein Instagram-Filter kapitulieren würde. 


Links schimmern ferne Berggipfel im Dunst, rechts stürzt das Tal tief hinab. Dazu: der Duft von Nadelwald. Herrlich.
Zahlreiche Radfahrer quälen sich bergauf – ich ziehe den Helm vor dieser Leistung. Irgendwann, mitten in einer Kurve, winken mir mehrere Leute hektisch zu. Ich bremse. Dann sehe ich ihn: Ein Radfahrer liegt mitten auf der rechten Spur, auf dem Rücken, blutend am Knie. Er hat starke Rückenschmerzen, kann sich kaum bewegen. Aber er ist ansprechbar und stabil.


Jemand hat ihm bereits das Knie verbunden, aber Handyempfang? Fehlanzeige. Zum Glück habe ich meinen Notfallsender im Gepäck. Ich drücke den SOS-Knopf – jetzt heißt es warten, bis das Teil Verbindung zum Satelliten aufnimmt. Es dauert ein bisschen, dann fragt mich das System: Was ist los? Ich tippe, beschreibe die Situation. Wieder dauert es, dann die erlösende Nachricht: Hilfe ist unterwegs.


Ich beruhige Scott – so heißt der verunfallte Radfahrer – und teile ihm mit, dass Rettung kommt.

20 Minuten später taucht der erste Rettungssanitäter des örtlichen Fire Departments auf. Er beginnt sofort mit der Erstversorgung.

Weitere zehn Minuten vergehen, dann kommt ein weiterer Feuerwehrwagen. Kurz darauf auch die Highway Patrol.

Gemeinsam lagern sie Scott auf eine Trage, bringen ihn an den Straßenrand, damit der Verkehr wieder rollen kann.

Der Auslöser für den Sturz? Sein rechtes Pedal ist einfach abgebrochen. Riesenpech.


Da ich nicht mehr gebraucht werde, fahre ich weiter.

Es geht durch endlose Wälder – grün, dicht, fast schon märchenhaft. An einem kleinen Bach finde ich einen idyllischen Platz, esse dort mein Mittagessen  und gönne mir ein wohlverdientes Mittagsschläfchen – die letzte Nacht war ja nicht gerade erholsam.

Irgendwann habe ich wieder Empfang – und direkt eine Nachricht von meinem Bruder.


Garmin hat ihn informiert, dass ich einen Notruf ausgelöst habe. Ups. Daran hatte ich gar nicht gedacht – dass der Notfallkontakt informiert wird, auch wenn ich nicht selbst der Patient bin. Zum Glück wurde er später nochmal benachrichtigt, dass jemand anderes ins Krankenhaus gebracht wurde. Hoffentlich hat er sich nicht zu sehr erschreckt.


Weiter geht die Fahrt durch Wälder, die scheinbar nie enden jnd vorbei an klaren Bergseen.

Später am Nachmittag erreiche ich eine Tankstelle – auftanken, klar. Nebenan gibt’s ein kleines koreanisches Restaurant. Und Leute: Es war gesund, würzig, perfekt.
Satt und glücklich fahre ich weiter, suche mir einen Campingplatz – oder besser: Ich versuche es.

Der erste: voll. Der zweite: voll. Der dritte: dito.

Scheinbar ist heute ganz Kalifornien auf Campingtrip. Die Sonne geht langsam unter, ich werde nervös.


Letztlich bleibt mir nichts anderes übrig: Ich biege bei einem kleinen Waldweg ab, stelle mein Motorrad ein Stück entfernt ab (wegen der Bären) und schlage mein Zelt irgendwo zwischen Tannen und Farnen auf. 
Impro-Camping deluxe. 


Bevor ich die Augen schließe, notiere ich mir noch schnell den Tag, bis ich Schritte höre. Und keine menschlichen...

Gruselig.

Ich erinnere mich also was man tun soll, wenn man Schwarzbären begegnet und spreche mit lauter aber entspannter Stimme.

Als ich aus dem Zelt schaue, kann ich nichts mehr erkennen. 

Das sollte noch eine schaurige Nacht werden.