Tag 14 - 10.06.25

Gestern dachte ich noch: "Besser kann’s kaum werden." Tja… Gott, wie sollte ich mich irren.


Weil ich mal wieder wie ein Rentner um 21 Uhr ins Zelt gefallen bin, bin ich heute hellwach um 4:30 Uhr in der Morgendämmerung. Aber hey – das passt ganz gut. Noch ist es angenehm frisch, und der Tag hat Großes vor.
Ich wasche mich kurz im halbdunklen Waschhaus und zaubere ein Porridge. Dann schnüre ich die Wanderschuhe, werfe Wasserflaschen und Snacks in meinen Beutel und mache mich auf den Weg – Ziel: Bright Angel Trail.

Dummerweise fährt der Shuttlebus erst ab halb sieben. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als zu Fuß rund 2 Kilometer zum Startpunkt zu wandern – entlang des Grand Canyon. Und wow... schon wieder haut mich dieses Naturmonster um. Die warme Luft, die in Wellen aus dem Canyon aufsteigt, fühlt sich an, als würde man an einem gigantischen Backofen vorbeigehen.

Und trotzdem: Ich kann den Blick kaum abwenden. Diese unendlichen Farbschichten, die Schatten, das Lichtspiel, die schiere Größe – es ist einfach unglaublich.


Der Bright Angel Trail ist einer der bekanntesten und beliebtesten Wanderwege am South Rim. Er beginnt bei etwa 2.070 Metern Höhe und schlängelt sich in Serpentinen etwa 1.500 Höhenmeter hinunter bis zum Colorado River – aber so weit will ich heute nicht.

Mein Ziel ist der erste Rastplatz: 1,5-Mile Resthouse, etwa 2,4 Kilometer vom Start entfernt und ca. 350 Höhenmeter tiefer. Der Weg führt direkt in die Felswände hinein – anfangs noch moderat, dann mit mehr Gefälle.

Links und rechts ragen rötliche Sandsteinwände auf. Ich komme gut voran – bergab geht’s halt wie geschmiert. Nach etwa 45 Minuten mache ich eine kurze Pause, snacke und gönne mir ein paar Schlucke Wasser. Es ist 7:00 Uhr – und die Sonne fängt schon an, ernst zu machen.
Dann geht’s wieder nach oben. Und hui, der Unterschied ist deutlich: 350 Höhenmeter auf kürzester Strecke, gefühlt 350 Grad im Gesicht. Um 8 Uhr zeigt das Thermometer bereits knapp 30 °C. Ich schwitze, als hätte mein Körper beschlossen, spontan eine eigene Wasserquelle zu eröffnen.

Mitten im Aufstieg dann ein echtes Highlight: Eine Gruppe Mulis kommt mir entgegen, angeführt von einem Guide und ein paar ziemlich glücklichen (oder erschöpften?) Touristen. Sie machen die berühmte Canyon-Maultiertour, die tief hinunter bis zum Colorado River führt. Ich weiche an den Rand aus und halte den Atem an – die Tiere sind ruhiger als ich und wirken, als würden sie den Weg im Schlaf finden.Oben angekommen – Luft holen. Viel Luft. Ich bin fix und fertig.


Zurück im Camp geht’s erstmal an die Organisation meines treuen Reittiers: Ölwechsel und Ventilspiel stehen auf dem Plan. Zum Glück finde ich eine Werkstatt, die mich spontan für Freitag reinschiebt – Jackpot!

Dann geht’s endlich unter die Dusche – was für ein Luxus nach der staubigen, heißen Wanderung. 
Anschließend baue ich in der Mittagshitze mein Zelt ab. Bei über 30 Grad hilft nur eins: Shirt ausziehen, unter Wasserhahn halten, wieder anziehen – der Fahrtwind verwandelt es in eine temporäre Klimaanlage. 

Der Tag ist noch jung, mein Shirt ist nass, die Straßen rufen – und ich bin bereit für das nächste Abenteuer.


Wenn du je das Gefühl hattest, die Straße vor dir führt dich direkt in ein Western-Epos – dann warst du entweder in einem Tarantino-Film... oder auf dem US Highway 160. Ich fahre Richtung Osten und die Wüste breitet sich aus wie ein unendlich großer, rot glühender Teppich, eingerahmt von zerklüfteten Tafelbergen, die aussehen, als hätte ein Riese seine Lego-Steine liegengelassen.


Mein Ziel: Utah – genauer gesagt der Startpunkt des BDR (Backcountry Discovery Route). Und diese Gegend? Die rollt nicht den roten Teppich aus – sie wirft einem gleich das ganze Monument Valley vor die Füße. Und wie! Diese Felsenformationen stehen da wie die antiken Götter einer vergessenen Welt. Bevor ich mich aber in staubige Abenteuer stürze, lasse ich es mir gutgehen.

Goulding’s Restaurant – eine Institution in der Gegend – bietet nicht nur erstaunlich gutes Essen, sondern auch einen unfassbaren Panoramablick aufs Monument Valley. Einfach grandios.
Frisch gestärkt rolle ich weiter entlang der BDR-Route und passiere Mexican Hat, diesen absurd perfekt ausbalancierten Stein, der wie ein übergroßer Sombrero auf einem Fels thront. Und dann biege ich ab ins Valley of the Gods.


Und mein lieber Herr Gesangsverein – was für ein Anblick. Das ist nicht einfach nur schön. Überall ragen monumentale Steinsäulen empor, jede davon ein stiller Zeuge uralter Erdgeschichte. Die Sonne beginnt sich zu senken, färbt alles in warmes Gold und macht aus der ohnehin dramatischen Kulisse eine fast religiöse Erfahrung. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus.

Zum Glück gibt es entlang der Route immer wieder flache Stellen, perfekt zum Wildcampen. Ich stelle mein Zelt auf, schiebe das Motorrad daneben, lehne mich zurück – und genieße.

Der Sonnenuntergang über dem Valley of the Gods ist wie eine Meditation mit offenem Mund. Alles glüht in Orange, dann Rot, dann tiefem Violett. Ich höre nichts außer Wind, mein pochendes Herz und ein paar neugierige Grillen.


Doch als ich gerade im Schlafsack wegdöse, wird es... windig. Nicht so ein bisschen „sanftes Wiegenlied“-Wind. Nein, eher so: „Ich-bin-die-Rache-des-Wetters“-Wind. Das Zelt rüttelt, als hätte es sich mit einem Rodeo-Bullen angelegt. Ich krabble nach draußen – und sehe, dass mein Zelt nun schräger steht als der schiefe Turm von Pisa nach einem Tequila zu viel. Ich spanne alles neu, parke das Motorrad als Windbrecher davor – bringt aber leider nicht viel. Der Wind lacht sich vermutlich kaputt. Trotzdem döse ich irgendwann wieder ein, werde aber mehrmals von kräftigen Windböen wachgemacht.


Aber dann... der nächste Morgen, wird noch besser.