Tag 33 - 30.06.25
Um 06:00 Uhr schlich sich die Sonne in mein Zelt wie ein nerviger Mitbewohner, der meint, er müsse jetzt schon lüften. Etwas unausgeschlafen trifft es gut, denn beim Zeltaufbau hatte ich einen kleinen Huckel im Gras übersehen, der sich nachts als nerviger Gegner entpuppte: Ich rutschte ständig von der Matte, egal, wie ich mich drehte. Irgendwann, mitten in der Nacht, räumte ich wie ein grantiger Tetris-Spieler alles im Zelt um, nur um halbwegs schlafen zu können.
Nach den üblichen Morgenerledigungen (Porridge, Wäsche, Morgengymnastik) fuhr ich wieder hinein in die Weite der Wüste und bog irgendwann auf die OR78 Richtung Osten ab. Die Landschaft dort? Nun, man könnte sagen, sie ist so spannend wie ein Toastbrot ohne Belag. Die Straße selbst hatte ca. 1,5 Kurven, der Rest ging schnurgerade durch staubige Ebenen, die sich nur durch gelegentliche Gestrüpp-Büsche unterscheiden.
Nach etwa 160 km erreichte ich Jordan Valley, kurz vor der Grenze zu Idaho. Dort tankte ich auf und setzte mich auf eine Parkbank zum Mittagessen. Dann sah ich den örtlichen Sheriff auf dem Parkplatz hinter dem Park. Da ich noch ein paar Patches zum Tauschen hatte, sprach ich ihn an. Und siehe da, er hatte tatsächlich auch einen Patch dabei! Wir tauschten, plauderten ein bisschen, und er erzählte mir, dass seine deutschen Vorfahren vor vier Generationen in die USA ausgewandert waren. Irgendwann verabschiedete ich mich, schwang mich aufs Bike und fuhr weiter Richtung Osten.
Ich hatte mir nicht die schnellste Route rausgesucht, sondern die kürzeste, was meistens bedeutet: Es wird wieder abenteuerlich. Die Flint Creek Road Richtung Osten führte mich zunächst über ein kurzes Stück Asphalt, das sich schnell in eine kurvige Schotterpiste verwandelte – endlich mal wieder Spaß am Fahren!
Anfangs gab es noch grüne Natur, doch dann wurde es zunehmend wüstiger, der Staub klebte mir am Gesicht, während die Sonne gnadenlos runterbrannte.
Irgendwann ging es über in die Antelope Ridge Road, grob und steinig, als wollte die Wüste mir sagen: Wenn du hier durch willst, musst du es dir verdienen. Ich sah auf der Karte eine Abkürzung und bog spontan ab. Da war es wieder: ein Stacheldrahttor mit nur eingehängter Seite, gespannt wie meine Nerven beim Offroadfahren. Ich öffnete es, fuhr durch, schloss es wieder, nur um wenige Kilometer später festzustellen, dass ich falsch war. Also Tor wieder auf, durch, Tor wieder zu, weiter. Bei 31 Grad in der flimmernden Hitze der Wüste verlor ich dann die Lust aufs Abkürzen und kehrte zurück auf meine ursprünglich geplante Route, die zwischen grob steinig, steinig und harter Erde wechselte.
Als ich endlich wieder eine breite Schotterstraße erreichte, jubelte ich innerlich. Die Mud Flat Road führte mich von 1900 m auf 800 m hinab, während ich spürte, wie die Hitze mit jedem Meter mehr zuzog, bis der Fahrtwind bei 38 Grad auch nichts mehr brachte und ich still vor mich hinschwitzte.
Meine Route führte mich auf die Backcountry Discovery Route Idaho, die mich später nach Glenns Ferry brachte – einer kleinen Stadt, bekannt für ihre historische Fährüberquerung am Oregon Trail, mit einer kleinen Weinregion und einem sehr entspannten Vibe.
Hier wollte ich eigentlich campen, aber der Campingplatz war voll. Also gab es erstmal Abendessen im „The Stop“: Fish and Chips für mich und einen kleinen Salat, während die Klimaanlage auf Hochtouren arbeitete und ich endlich wieder normal atmen konnte.
Gestärkt fuhr ich weiter auf dem BDR Richtung Norden, hinein in die Berge. Auf 1500 m war es zwar immer noch heiß, aber nicht mehr so brütend, und es gab endlich wieder grüne Natur um mich herum.
Am Little Camas Reservoir, einem kleinen See, schlug ich mein Zelt auf. Auf der anderen Seite muhten die Kühe gemütlich vor sich hin.
Der See war leider voll mit Algen, was meine Motivation zum Baden auf Null drückte, aber das leise Muhen und die klare Luft machten alles wieder gut.
Irgendwann schlief ich ein, während draußen die Sterne über der Berglandschaft funkelten und mir zuflüsterten: „Morgen wartet die nächste Kurve auf dich.“