Tag 5 - Die wilde Tour beginnt nun wirklich... unerwartet
Endlich! Heute konnte ich mich auf meine lang ersehnte Reise begeben – nachdem ich gefühlt 1000 Stunden damit verbracht hatte, alles ans Motorrad zu schrauben, zu kleben, zu tackern oder notfalls auch einfach mit gutem Willen festzuhalten. Es hieß nur noch den frisch geölten Luftfilter einzubauen und dann konnte es losgehen. Dachte ich zumindest.
Nachdem ich meine Sachen voller Vorfreude aufs Motorrad gepackt hatte verabschiedete ich mich von Lisa und Bob und fuhr aus der Einfahrt. Nur um drei Meter später festzustellen, dass ich den Ganghebel zu hoch eingestellt hatte und schalten nur äußerst schwierig möglich war.
Also wieder umgedreht und in voller Montur unters Motorrad gelegt, um dies richtig einzustellen, was aufgrund von schlechter Erreichbarkeit auch wieder eine Geduldsprobe war.
Danach ging’s dann aber wirklich los. Und zwar in Richtung Buena Vista, um dort endlich auf die Backcountry Discovery Route Colorado zu treffen. Ganz dem Motto „keine Zeit verlieren“ habe ich den schnellsten Weg genommen.
Jetzt wird es das erste mal spannend: Bei einem kurzen Fotostop an der Lazy Bull Ranch spricht mich eine Frau an, ob ich helfe könnte ihren entlaufenen Hund zu finden. Puh, wie sollte das gehen? Aber ich hörte mir erstmal an, dass ihr Husky irgendwo in der Nähe weglaufen wäre. Um uns herum waren jedoch nur unendliche Hügel- und Wiesenlandschaft sichtbar. Ihr Mann wäre aber hinter dem Hund hinterher.
Sie wüsste jedoch im Moment gar nicht, wo ihr Mann, Ed, ist. Irgendwann rief Ed dann an und beschrieb, wo er denn sein wolle, aber das war überhaupt nicht eindeutig und hinterließ mehr Fragezeichen als Antworten. Ich fragte dann aber, ob die beiden WhatsApp hätten und die Frau bejahte das. Ich gab ihr dann den Hinweis, dass Ed doch seinen Standort über WhatsApp schicken könnte. Sie wussten aber beide nicht, wie das geht. Ed schrieb nur den Text, ich bin hier. Da musste ich kurz innerlich Lachen. Ich erklärte dann erstmal, wie man das sendet, und sie schrieb es ihm.
Nach anfänglicher Verwirrung hat ihr Mann das dann hinbekommen und wir fuhren gemeinsam in Richtung von Ed, den wir aus weiter Ferne auf einem Hügel winken sahen. Ich hoffte nun, dass ich zu ihm fahren kann, um dann zusammen den Hund zu finden. Aber das ganze Gelände war eingezäunt und das Tor war verschlossen, sodass ich dort nicht auf das Gelände fahren konnte.
Neben dem Tor stand ausdrücklich, dass der Zutritt verboten ist. Mir war heute gar nicht danach, dass man auf mich schoss, weil ich über einen Zaun geklettert bin. Die Dame meinte auch, dass das viel zu gefährlich wäre.
Ich gab ihr dann den Rat, die Polizei zu rufen. Aus eigenerErfahrungweißich, dass auch das zur Polizeiarbeit gehört. Zumindest, könnten sie wissen, wem das Gelände gehört, um denjenigen zu fragen, ob man das betreten darf. Daraufhin rief sie die Polizei, die tatsächlich jemanden entsendete.
Mehr konnte ich in diesem Moment nicht tun. Dennoch schüttelte sie mir dankbar die Hand und verabschiedete mich. Ich freute mich, dass ich ihr zumindest etwas helfen konnte.
Nach diesem kleinen aufregendem Zwischenspiel führte mich mein Weg langsam immer tiefer in die atemberaubenden Rocky Mountains und deren grandioser Szenerie. Es ging immer höher, die Aussicht wurde spektakulärer – und der Schnee immer tiefer. Die Straße war jedoch geräumt und führte über den Cottonwood Pass, auf 3696m, der eine perfekte schneebedeckte Bergwelt zeigte.
Irgendwann bog der BDR endlich auf einen Waldweg ab und ich konnte das tun, was ich am meisten mag. Nämlich abseits der Straße fahren.
Nach einiger Zeit kam die erste Wasserdurchfahrt. Diese war noch machbar. Das Ergebnis waren nur leicht durchgenässte Stiefel. Es sollte jedoch schlimmer werden. Die nächste Wasserdurchfahrt war deutlich tiefer und ich konnte nicht genau sehen, ob ich dabei mein Motorrad zum U-Boot umfunktionieren würde. Also erstmal abgestiegen und versucht trockenen Fußes zu sehen, ob das machbar wäre. Da ich den Grund nur erahnen konnte und meinen Schnorchel und Badehose vergessen hatte, traf ich die Entscheidung doch lieber umzudrehen. Ich wollte doch nicht am ersten Fahrtag mein Motorrad versenken.
Da ich nicht ewig zur nächsten Straße zurückfahren wollte hieß es nun das erste mal improvisieren. Dank detailliertem Kartenmaterial konnte ich mir eine Alternative suchen und stieß nach einiger Zeit wieder auf den BDR. Dieser führte mich in die historische Stadt Tin Cup. Diese wurde im Jahr 1879 gegründet und sah wie einem alten Westernschinken aus.
Heute ist Tin Cup eine „Geisterstadt“ mit nur wenigen Einwohnern, aber viele historische Gebäude sind noch erhalten und eine malerische Lage in den Rocky Mountains wird wohl für immer bestehen.
Rundherum gab es nur Berge und idyllische Natur. Etwas südlich kam nun die nächste große Herausforderung. Nach einiger Zeit auf einer ziemlich groben Schotterstraße, bei dir mir fast die Zähne rausgefallen wären, kletterte ich wieder in die Berge und der Schnee wurde wieder mehr und mehr. Bis er über die Straße reichte und auch recht hoch war. Das war kurz vor dem Cumberland Pass, auf einerbHöhe von 3668m.
Ich überlegte kurz und entschloss mich es zu probieren, da es kurz danach wieder abwärts ging. Also Schwung geholt und mit wehenden Fahnen in den Schnee. Das Ergebnis: Ich blieb tatsächlich mitten im Tiefschnee stecken. Mitten im Nichts, in einer Szenerie, die jeden Yeti neidisch gemacht hätte. Der Schnee ging bis über die Vorderachse. Unmöglich da durch zu kommen. Also erstmal ein Foto gemacht.
Die Frage war nun wie komme ich da wieder raus. Rundherum niemand auch nur annähernd in der Nähe der mir helfen könnte. Also versuchte ich kräftig das Motorrad nach hinten rauszuziehen. Glücklicherweide stand es im Tiefschnee von allein.
Zunächst tat sich gar nichts. Aber kein Grund Panik zu bekommen. Bei der dünnen Luft hier oben musste ich jedoch erstmal verschnaufen.
Zum Glück ist das Motorrad leicht. Irgendwann gab es dann nach und Zentimeter gür Zentimeter konnte ich es aus den weißen Fängen befreien. Dies war aber äußerst kraftraubend und ich rang nach Luft, wie ein Fisch auf dem Trockenen.
Es half alles nichts, ich musste kehrt machen. Da es bereits spätvam Abend war wollte ich keine der in der Nähe befindlichen Alternativen zu probieren, dia sie ähnlich hoch waren und vermutlich ebenso verschneit. Es ging als zurück durch Tin Cup und zu Taylors Trading Post. Dort gab es dann im Nugget Café gab bei Seeblick einen Pulled Pork Burrito. Dies war der beste Pulled Pork Burrito den ich jemals hatte. Und der Einzige.
Danach suchte ich mir noch ein nettes Plätzchen zum Campen. Ich beendete den Tag dann im Lotty Creek Campground. Nur das Schild mit dem Hinweis Essen aufgrund von Bären nicht in der Nähe vom Zelt zu lassen gab mit etwas zu denken.
Da ich nichts hatte, um das Essen in einen Baum zu hängen, stellte ich das Essen in einen nahegelegenen Lagerraum.
Und so endet der erste Tag auf der Straße – mit jeder Menge Schnee, ein bisschen Chaos und der Erkenntnis: Die Rocky Mountains sind nicht nur landschaftlich atemberaubend.