Ich höre das ruhige Plätschern des Baches,
die Grillen zirrpen ihr schönstes Lied.

Um mich herum nichts als Wiesen und Berge,
ein paar wenige Häuser.

Glücklich lausche ich den Geräuschen,
beobachte ich die Schönheit der Natur.

Ein Fleckchen Erde, das mich beeindruckt,
mich zur Ruhe kommen lässt.

Hier komme ich runter,
hier entspanne ich.

Ja hier ist sie,
meine zweite Heimat.

Bayern und ich..Das ist eine Geschichte für sich.

Und sie beginnt lange vor meiner Geburt. Nämlich in den 70er Jahren. Mein Opa wollte mit seiner kleinen Familie einen Urlaub machen. Wo? Ja das wusste er auch nicht so recht.

Er hat sich die Kinder und meine Oma geschnappt und ist auf blauen Dunst losgefahren. Immer weiter.

10 Stunden später war er am Ziel. Spontan hatte er sich überlegt in ein bayrisches Dorf einzukehren. Dort sah er am Fuße des Tals eine Gastwirtschaft.

Auf dem Schild steht (heute noch) in großen Lettern:

,,Gasthof zur Traube. Kalt und Warmwasser"

Damaliger Luxus, der einen heute zum Nachdenken und Schmunzeln bringt.

Die Dinge nahmen ihren Lauf. Die nord- und süddeutsche Freundschaft funktionierte. Mein Opa und die gesamte Familie kam gut an. Mein Opa schwor bei der Abreise, er würde wiederkommen.

Ja, so war es auch. Bis zu seinem Tod im Jahre 2014 ist mein Opa jedes Jahr runtergefahren. Er bekam Ehrenpreise, Auszeichnungen und war in vielen Zeitungen vertreten. Ehrenmitglied im Eisstockverein und ein gern gesehener Gast.

Und dann passierte nach seinem Tod etwas, das mich stolz macht und dankbar.

In Bayern gibt es nahezu in jedem kleinen Dorf sogenannte Totenbretter. Hört sich furchtbar an, ist aber ein schönes Zeichen der Erinnerung. Auf kleinen Holzbretter angenagelt an einen kleinen Zaun, befinden sich die Namen verstorbenen Ehrenbürger. Menschen, die das Dorf geprägt haben, die aktiv in der Gemeinde dabei waren usw.

Und 1 Woche nach dem Tod meines Opas, bekam ich ein Bild.

IMG-20150603-WA0012.jpg

Ich war sprachlos und selbst heute rührt es mich zu Tränen. Seit 2014 war ich nicht mehr da. Aber wenn ich es wieder dorthin schaffe, dann zünde ich genau an diesem Ort eine Kerze für ihn an.

Mein Opa hat nie an Gott geglaubt, zumindest nicht mehr als viele Menschen. Doch seit Beginn seiner Krankheit hat er an etwas geglaubt. An die heilige Mutter Anna, die in Bayern eine große Rolle spielt. Ein Bild von ihr hing immer an seinem Bett.

Die Totenbretter sind direkt an der Straße und erinnert die Menschen beim Vorbeifahren immer an:

,,Den Damischen aus Kiel! "

Ich kam 1991 zur Welt und im darauffolgenden Sommer 1992 begann meine Bayern-Tradition.

Ich liebte es. Die Freiheit, die Menschen, die Geselligkeit, die Ruhe und später auch das dortige Shopping.

Aus Gastgebern wurden flüchtige Bekannte. Aus flüchtigen Bekannten wurden Freunde. Und aus Freunden wurde Familie.

Die Menschen, die Sprache und die ganze Atmosphäre ist unsagbar ursprünglich.

IMG-20140621-WA0003.jpg

So sehr wie ich meine Freiheit hier am Meer liebe, so sehr brauche ich die Berge.

Leider habe ich ein paar Jahre ausgesetzt (man will ja auch mal was anderes sehen). Aber meine Sehnsucht ist immer wieder da, mittlerweile sehr stark.

Wenn sie zu stark ist, dann spreche ich mit einer guten Freundin, die mittlerweile nach Hamburg gezogen ist.

Nächstes Jahr, da schaff ich es wieder.

Ich bin dankbar.
Dankbar für all die tollen Jahre in meiner zweiten Heimat und die wundervollen Menschen, die ich kennenlernen durfte.

Habt ihr auch ein Familien-Reiseziel, mit dem ihr bis heute verwachsen seit? Erzählt mir von euren Geschichten :) Ich bin gespannt!