Im Mai jährt sich der Ausbruch des Vulkan St. Helens zum 40. Mal. Am Berg ist heute nichts mehr von der Katastrophe des Jahres 1980 zu sehen – aber das Grün ringsum hat die Landschaft dem Monster zu verdanken, das immer noch grollt.
Man muss zum Glück nicht hinauflaufen. Es gibt eine schöne Straße, die durch eine der schönsten Landschaften der Erde führt. Schwarzer Asphalt glänzt in der morgendlichen Feuchtigkeit zwischen grünen Böschungen – der Mount St. Helens fasziniert seine Besucher schon, wenn sie ihn noch gar nicht erreicht haben. Der Highway 504 führt einen über eine kurvige und gut ausgebaute Bergstraße zum Johnson Ridge Observatory, dem Ort, den alle Besucher anlaufen. Von hier poben aus hat man den perfekten Blick auf den Vulkan , der immer noch aktiv ist.. Unterwegs sollte man einen Halt am Lewis & Clark State Park machen, wo noch Reste des ganz alten Baumbestandes zu finden sind, der hier große Flächen bedeckte, ehe die Lava kam und alles wegbrannte. Auch ein Auslfug zum Naturschutzgebiet Nisqually National Wildlife Refuge kann machen, wer Zeit hat. Hier warten Feuchtgebiete, in denen Vögel fast schon sinfonisch singen.
Das Hauptreiseziel für Millionen aus nah und fern aber ist der Vulkan, ein 2539 Meter hoher Gipfel, der die umliegenden Bergrücken um volle 1100Meter überragt. Der Vulkankegel hat einen Durchmesser von 10 Kilometern, er ist vor über 40.000 Jahren enttsanden, als Magma aus dem Erdinnberen zum ersten Mal unter großem Druck nach einem Ausgang suchte. Insgesamt erlebte der Mt. St. Helens seitdem neun große Eruptionsphasen mit einer Dauer von zwischen 5000 und weniger als 100 Jahren, zwischen denen Schlaf-Perioden von zwischen 15.000 und rund 200 Jahren lagen.
Jetzt hinaufzufahren, ist also relativ sicher, die nächsten 150 Jahre dürfte der Vulkan still bleiben. Am Johnston Ridge Observatory angekommen, geht man am besten auf eine Wanderung entlang des berühmten Eruption Trail. Dieser Weg bietet einen traumhaften Blick auf die Explosionszone und den Krater und wimmelt im Sommer nur so von pinken Lupinen und anderen Blumen. In anderen Jahreszeiten wird die Umgebung geprägt von der kargen Schönheit einer Vulkanlandschaft, die ausgebrannt und von Bimsstein bedeckt ist.
Seit 1980 ruht der Vulkan - aber er schläft nicht. Seit der St. Helens am 18. Mai vor 40 Jahren genau um 8.32 Uhr morgens explodierte, scheint der Berg nur Rehe zu geben. Wie die mehr als 100 Jahre vor dem Mai 1980. Dann aber folgte der schlimmste Vulkanausbruch in der neueren Geschichte der USA: Die oberen 400 Meter des 2949 Meter hohen St. Helens flogen in die Luft, die größte je beobachtete Lawine raste ins Tal, so dass noch in elf Kilometer Entfernung 400 Meter hohe Hügel kein Hindernis bildeten.
600 Quadratkilometer Wald wurden damals vernichtet, Schlammlawinen rissen 27 Brücken weg, 300 Kilometer Straße verschwanden. Eine Aschewolke stieg auf, wie sie der Kontinent noch nicht gesehen hatte: Schon 30 Minuten nach dem Ausbruch maß sie 64 mal 48 Kilometer und bewegte sich mit 100 Stundenkilometern nach Osten, wo sie den Tag zur Nacht machte.
57 Menschen starben an diesem Tag am St. Helens - trotz der isolierten Lage im dünn besiedelten Südosten des Bundesstaates Washington, trotz aller Warnungen von Experten, die den Berg bereits nach dem ersten Grollen drei Monate zuvor rund um die Uhr beobachtet hatten. Seitdem sieht der Berg nicht mehr aus wie früher, als sie ihn "Amerikas Fujijama" nannten. Weggerissen hat es auch viele Spuren menschlicher Besiedelung, die im 5. Jahrtausend v. Chr. begonnen hatte. Die Klickitat und die Binnen-Salish siedelten hier, beide Völker wussten, wie gefährlich das sein konnteVerwirrtes Smileyie nannten den Berg Loo-Wit Lat-kla oder Louwala-Clough (Feuerberg oder rauchender Berg) und erwarteten stets, dass er zürnte. Dass das Leben danach aber weitergehen würde.
Das lässt sich heute am Mt. St. Helens beobachten. Nach vier Jahrzehnten hat sich in den tiefer gelegenen Gebieten wieder eine flächendeckende Vegetation gebildet. Rot-Erlen und Weiden sind hochgewachsen und geben von oben betrachtet ein wundervolles Bild ab. Trockenere Regionen sind von artenreichen Gras- und Staudenfluren überzogen, teilweise dominieren auch noch einjährige Blütenpflanzen. Langsam kämpft sich das Leben auch in die Hochlagen vor, wo die Vegetationsperiode kürzer ist und das Überleben härter. Die Purpur-Tannen hier sind meist noch nicht mannshoch, kurzhalmige Gräser und Kräuter bilden Magerrasen, der morgens im Tau funkelt.
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