Tag 21 - 18.06.25
5:00 Uhr. Der Wecker klingelt. Herrlich so früh, oder auch nicht. Ich schrecke auf, noch halb im Schlafanzug des Lebens, und frage mich: Warum? Warum so früh?
Ach ja: Death Valley steht auf dem Programm. Das bedeutet: Hitzeschlacht, Höhenrausch – und garantiert kein Langschläferbuffet.
Im Halbdunkel stopfe ich mein Zeug zusammen und düse los.
Death Valley – eine Heiß-Kalt-Dusche im XXL-Format
Death Valley ist kein Ort, den man leicht vergisst – es ist wie eine Marslandschaft, die in einen Pizzaofen gefallen ist. Und während ich durch die Landschaft gleite, zeigt mir das Thermometer seine gespaltene Persönlichkeit.
Um 6 Uhr morgens, am westlichen Rand des Tals auf etwa 1500 Metern Höhe, waren es angenehm kühle 18 Grad – fast schon Pulloverwetter. Eine Stunde später, unten bei Badwater Basin (–86 Meter unter dem Meeresspiegel), herrschten bereits 31 Grad. Die Luft flimmerte, der Fahrtwind war eher ein Heißluftfön – und ich dachte nur: Das kann ja heiter werden.
Wurde es auch – aber erst nachdem ich schon lange weiter nördlich war. Die höchste Tagestemperatur gestern: knackige 47 Grad Celsius. Zum Glück musste ich das nicht miterleben. Kein Wunder, dass hier einst die heißeste Lufttemperatur der Erde gemessen wurde: 56,7 °C im Juli 1913. Aber: Die Weite, die Farben, diese irre Tiefe – all das ist faszinierend. Es ist, als würde man durch ein Naturwunder fahren, das gleichzeitig testet, wie viele Liter Wasser man in sich hineinschütten kann, bevor man zum fahrenden Schwimmbecken wird.
Western-Vibes in Lone Pine & der Einstieg in den BDR
Nach dieser brütenden Sauna auf Rädern zieht es mich nach Lone Pine, den Einstieg zum BDR Südkalifornien.
Kaum angekommen, wechselt die Szenerie wie bei einem Filmset: Vor mir erheben sich die Alabama Hills – eine bizarre Mischung aus rundgeschliffenen Felsen, goldenem Licht und knorrigen Büschen.
Kein Wunder, dass hier seit den 1920er-Jahren über 150 Filme und Serien gedreht wurden, von klassischen Western bis zu Sci-Fi-Krachern. Der berühmte Movie Road windet sich filmreif durch die Hügel – und ich mittendrin wie ein staubiger Komparse.
Alternativroute mit Hindernissen
Aber nur Filmkulisse gucken reicht mir nicht – ich will Action. Und was macht man, wenn man sich gerade so richtig wohlfühlt? Genau: eine härtere Alternativroute nehmen.
Zuerst läuft alles wie geschmiert – ein bisschen Geröll, ein paar steile Kurven, ich bin im Flow. Doch dann wird der Weg ruppiger, steiniger, schweißtreibender. Mein Motorrad hüpft wie ein junger Ziegenbock über Felsen, ich klammere mich fest und fluche im Takt der Erschütterungen.
Dann – endlich – eine Kiefer im Schatten. Ich lasse mich fallen, döse ein und wache 20 Minuten später leicht erholt auf.
Maikäfer-Moment & der große Schreck
Zurück im Sattel – ich will besonders vorsichtig sein. Doch dann bremse ich zu stark, verliere das Gleichgewicht, trete ins Leere und… kippe nach rechts. Mein Motorrad fällt mir auf den Fuß.
Schockmoment.
Doch: Stabile Stiefel sei Dank, bleibe ich unverletzt. Das Bike liegt derweil wie ein Maikäfer mit den Rädern nach oben in der Luft – darunter ein Baumstamm. Ich rieche verbranntes Holz, weil der heiße Krümmer das tote Holz grillt, während aus dem Tankentlüftungsschlauch auch noch Benzin tropft. Keine Zeit für Fotos – das hier ist Real Adventure.
Ich versuche, das Bike aufzuheben – keine Chance, liegt leicht hangaufwärts. Also ziehe ich das Vorderrad bergab, mobilisiere sämtliche Adrenalinreserven, wuchte das Motorrad hoch – und brauche erstmal eine Pause.
Glück im Unglück: Nur ein paar Kratzer. Ich – leicht zerknirscht. Der Weg – wird jetzt noch steiniger.
Der Trail wird immer steiler, schroffer, gemeiner. Ich bin hochkonzentriert, schwitze wie in einer Bikersauna, weiche spitzen Steinen aus wie ein Ninja – und denke nur: Bitte nicht nochmal umkippen.
Irgendwann finde ich zurück auf den normalen Track – doch dort wartet schon die nächste Gemeinheit: Tiefer Sand. Und zack – eine Spurrinne, Gleichgewicht weg, und ich fliege in die Böschung.
Sandexplosion! Ich verschwinde in einer Staubwolke, die selbst Wüstenfüchse beeindruckt hätte. Ich weiß nicht mehr, wo oben und unten ist. Aber ich lebe und bin unverletzt. Und das Motorrad auch – bis auf einen verbogenen Handschützer.
Ich fahre nun doch lieber etwas langsamer. Das möchte ich ungern wiederholen.
Ich entschließe mich, den nächsten Offroad-Abschnitt zu überspringen und erstmal durchzuatmen. In der nächsten Stadt richte ich mein Bike notdürftig, biege den Handschützer wieder zurecht und fahre weiter Richtung Mammoth Lakes.
Wenn man von Bishop nach Mammoth Lakes fährt, beginnt die Reise in der trockenen, wüstenhaften Weite des Owens Valley, flankiert von staubigen Ebenen und Salbeibüschen – doch kaum hat man die Stadt hinter sich gelassen, verändert sich die Landschaft dramatisch. Zur Linken türmt sich die gewaltige Sierra Nevada auf, deren Gipfel wie gezackte Zähne gegen den Himmel ragen. Der Mount Tom (4.164 m) dominiert das Panorama mit seiner massiven Präsenz, bald gefolgt vom White Mountain Peak (4.343 m), der zur White Mountains Range gehört. Je weiter man nach Norden fährt, desto grüner wird die Landschaft: Pinienwälder tauchen auf, Bäche durchziehen Wiesen, und die Luft wird frischer. Kurz vor Mammoth Lakes öffnet sich der Blick auf den Mammoth Mountain (3.369 m), einen schlafenden Vulkan, dessen Hänge im Sommer von Mountainbikern und im Winter von Skifahrern bevölkert werden. Es ist, als würde man in eine andere Welt fahren – von der staubigen Wüste direkt hinein in ein alpines Paradies.
Dort finde ich einen Campingplatz, baue mein Lager auf – und als ich die Stiefel öffne, rieselt mir eine halbe Wüste entgegen. Sand überall. Ich lache. Dann kommt ein anderer Motorradfahrer vorbei – wir kommen ins Gespräch, erzählen, fachsimpeln, lachen über Stürze und teilen GPS-Tipps.
Irgendwann wird’s dunkel. Ich verabschiede mich, schlüpfe in meinen Schlafsack – erschöpft, eingestaubt, glücklich.
Fazit des Tages:Ein bisschen Death, ein bisschen Drama, aber verdammt viel Leben.