Tag 41 - 08.07.25

Heute erwachte ich mal nach 6 Uhr, und das in einem richtigen Bett in Riverton. 

Ich wollte spontan einen Ölwechsel beim örtlichen Hondahändler bekommen, der erst um 9 Uhr öffnet. Also hatte ich reichlich Zeit – und ließ es gemächlich angehen.

Ich schrieb noch ein paar Reiseberichte (damit ich nicht vergesse, was ich hier überhaupt mache), sichtete Fotos, dehnte mich etwas mit Morgengymnastik, dann gab’s Frühstück.

Punkt 9 Uhr rief ich beim Händler an, ob sie einen passenden Ölfilter für mein Motorrad haben. Bingo! Hatten sie. Zur Not hätte ich den Ölwechsel auch selbst gemacht, aber warum sich schmutzig machen, wenn andere Hände das übernehmen können? Also fragte ich, ob sie auch den Ölwechsel erledigen könnten.

Antwort: „Eigentlich haben wir keine Zeit, aber komm erst mal vorbei.“

Also schnell Sachen gepackt und das Motorrad gewaschen (damit mich der Mechaniker nicht verflucht). Als ich ankam, hieß es plötzlich: „Ja, wir haben doch Zeit.“ Bingo Nr. 2.

Die Wartezeit verbrachte ich mit Telefonieren und Nachrichten lesen, und nach 45 Minuten war ich wieder unterwegs, Richtung Norden, hinein in den Wind River Canyon – auf Empfehlung.

Und ich war mal wieder überwältigt.

Der Wind River Canyon ist eine 19 km lange Schlucht, durch die sich der Wind River tief in das Owl Creek Gebirge gegraben hat, während die Felsen links und rechts steil bis zu 800 Meter aufragen. Man fährt direkt am türkisgrünen Fluss entlang, vorbei an kahlen roten und grauen Wänden.

Adler kreisten über mir, während ich in Kurven an den Felsen entlang rauschte, und der Fluss glitzernd neben mir schäumte.

Nach diversen „Aaaahs“ und „Oooohs“ und Fotos beschloss ich, nicht direkt auf die Wyoming Backcountry Discovery Route abzubiegen, da diese in der Nähe nur durch eintönige Wüste führt, sondern durch den Canyon wieder zurück zu fahren. In Shoshoni bog ich dann doch wieder auf die BDR ab.

Tatsache: Auch hier ging es erst einmal durch unendliches Nichts, Wüste soweit das Auge reicht. Bis zum Horizont gelbbraun und steinig, darüber ein tiefblauer Himmel, in der Ferne die schneebedeckten Gipfel der Wind River Range wie eine Fata Morgana.

In der Wüste war es dafür nicht zu kalte 35 Grad warm – Wyoming Sommer halt.

Irgendwann fuhr ich auf einer Straße mit kompaktem Erdboden, als mir ein LKW entgegenkam, der irgendetwas auf die Straße sprühte. Ich dachte erst, es wäre Wasser, weil die Straße nass war. Der Fahrer stellte den Strahl sogar ab, als ich auf seiner Höhe war – nett. Aber als ich an der nächsten Kreuzung bremste, machte meine Hinterradbremse plötzlich extrem laute Quietschgeräusche. Auch mehrfaches Bremsen half nicht. Mist.

Also anhalten und nachschauen. Da merkte ich: Die Flüssigkeit war offenbar Beton Light. Eine graue, körnige Masse hatte sich an diversen Stellen meines frisch gewaschenen Motorrads festgesetzt und ließ sich nur schwer abkratzen. Na klasse. Ich drückte vorsichtig den Bremszylinder, um zu sehen, ob was zwischen Belägen und Scheibe steckt, aber da war nichts.

Also fuhr ich erstmal weiter bis in den nächsten Ort, Lander. Dort überlegte ich, die Bremsbeläge auszubauen, versuchte es dann aber erst einmal mit einer weiteren Wäsche.

Also erneut Motorrad einseifen und abkärchern. Zweimal am Tag das Motorrad waschen – das hatte ich auch noch nie.

Glücklicherweise ließ sich das graue Zeug halbwegs abwaschen. Und Bingo Nr. 3: Das Quietschen war weg.

Anschließend suchte ich mir ein asiatisches Restaurant und bestellte ein klassisches Pad Thai. Es kam eine Portion, groß wie Wyoming selbst, super lecker, aber nicht zu schaffen.

Vollgefuttert fuhr ich weiter hinauf in die Berge in den Sinks Canyon State Park. Der Sinks Canyon ist bekannt für seine gewaltigen Felswände und den Popo Agie River, der plötzlich in einem Loch im Kalkstein verschwindet und erst 400 Meter weiter wieder auftaucht m. Daher auch der Name „Popo Agie“, was in der Sprache der Crow „stiller Fluss“ bedeutet.

Der Fluss rauscht durch eine grüne Schlucht, eingerahmt von gelben Felsen und Nadelbäumen, in der Luft liegt der Duft von Kiefernnadeln und warmem Staub. Da ich nicht zu hoch in den Bergen campen wollte (nachts wird es hier empfindlich kalt), hielt ich am ersten Campingplatz direkt am Popo Agie River.

Während ich eine Pause machte, kam ein Pickup mit einer 300er KTM hinten drauf an.

Darin saß Parker, der meinte, er hätte mein Motorrad gesehen und wollte mal eine Runde schnacken. Er sei auf dem Weg zu einer Feierabendrunde mit seiner KTM. Nach kurzem Plaudern fuhr er weiter, ich ölte die Kette, spannte sie etwas nach, freute mich, endlich wieder Empfang zu haben, und checkte meine Nachrichten.

Irgendwann kam Parker zurück und wir plauderten nochmal. Er meinte, falls ich etwas brauche, könne ich ihn gerne anrufen – super nett. Wir tauschten Nummern, er fuhr weiter.

Danach baute ich mein Zelt am Fluss auf, hörte dem Rauschen des Wassers zu und ging zeitnah ins Bett.

Ein Tag voller Bingos, Beton Light, und einem Canyon, der mir wieder einmal zeigte, warum ich genau diese Reisen mache.