Tag 36 - 03.07.25
Ich erwachte mal wieder in einem richtigen Bett, was nach Tagen auf im Zelt ungefähr so luxuriös ist wie eine Nacht im Ritz. Zum Glück musste ich nicht campen, denn es hatte nachts ordentlich geschüttet.
Kaum hatte ich meine Augen geöffnet, hörte ich plötzlich ein Flugzeug. Klingt romantisch, war es aber nicht, denn Nadines Hütte lag direkt an einer Landebahn, besser gesagt: an der örtlichen Wald-und-Wiesen-Landebahn.
Und ja, zwei kleine Propellermaschinen starteten direkt hintereinander, als hätte jemand den „Flughafenbetrieb Idaho“ auf Play gedrückt.
Nadine war schon wach und machte mir netterweise einen Tee, während wir quatschten, bis Dan wach wurde und uns Frühstück zauberte.
Davor half ich Nadine noch schnell, alte Matratzen vom Dachboden zu holen und neue auf die Betten zu legen.
Danach gab es Ei mit Kartoffeln – super lecker.
Nach dem Frühstück verabschiedete ich mich und rollte weiter.
Die Schotterstraße des BDR schlängelte sich in endlosen Kurven durch die Berge Idahos, als plötzlich ein alter Bus in einer Kurve stand.
Die Geschichte mit dem Bus?
Da stand er, quietschgelb, moosbedeckt, mitten im Nirgendwo, als hätte ihn jemand einfach vergessen, weil der nächste Kaffee wichtiger war.
Drinnen lagen noch zerrissene Sitzpolster, draußen leuchtete die Sonne auf die rostigen Felgen, während ich ein paar Fotos machte und mich fragte, welche Geschichten dieser Bus wohl schon gesehen hat, bevor er zum Wächter der Kurve am BDR wurde.
Danach ging es hinunter ins Tal zum Salmon River, der grün und glasklar in der Sonne leuchtete wie flüssiger Smaragd, eingerahmt von Kiefernwäldern, schroffen Felsen und einem Himmel, der so weit war, dass er fast Platzangst macht.
Unzählige Campingplätze säumten das Ufer, während der Fluss träge, aber selbstbewusst dahinzog.
Weiter ging es wieder in die Berge, hinein in die Geisterstadt Florence.
Fun Facts für deine nächste Party: Florence wurde 1861 gegründet, war einst eine der größten Goldrauschstädte Idahos, aber innerhalb weniger Jahrzehnte verließen die meisten das Tal wieder, als das Gold ausging. Heute? Viel zu sehen gibt es hier nicht mehr.
Also setzte ich mich auf eine Bank, gönnte mir mein Mittag, bevor es weiterging Richtung Grangeville, um Vorräte aufzufüllen.
Danach sprang ich zurück auf den BDR, der mich auf dem State Highway 14 nach Elk City führte, wo ich mir ein Crispy Chicken Sandwich mit Hühnerstreifen gönnte.
Dort traf ich John, einen örtlichen Bewohner, der erst gemütlich mit mir quatschte, sich irgendwann verabschiedete – und einfach mein Essen bezahlte. Ich war baff über so viel Gastfreundschaft und wusste mal wieder, warum ich die Amis so mag.
Danach ging es zurück in die Wälder. An einem kleinen Campingplatz sah ich zwei Motorräder stehen und bog kurzerhand ab:
„Habt ihr was gegen Gesellschaft?“
Hatten sie nicht. So lernte ich Dan und Frank kennen, baute mein Zelt auf, während sie schon ein Lagerfeuer im Wald brannten.
Idylle pur. Bis auf drei Milliarden Mücken.
Selbst direkt am Feuer keine Ruhe, als wollten sie sagen: „Danke für die Einladung.“
Während ich mit Dan redete, kamen wir auf das Thema Reichweite mitvdem Motorrad. Ich erwähnte, dass es zur nächsten Tanke etwas knapp werden könnte, woraufhin er mir einen Liter Sprit schenkte, den ich dankend annahm.
Und wieder einmal muss ich sagen: Die Gastfreundschaft der Amerikaner haut mich echt um.
Danach kroch ich in meinen Schlafsack, während die Mücken draußen versuchten in mein Zelt einzubrechen.
Ein weiterer Tag auf dem BDR, wie er im Bilderbuch steht – nur mit mehr Flugzeugen, mehr Mücken und einer Prise Freundlichkeit, die man nie vergisst.