Tag 28 - 25.06.25

Morgenstund hat Gold im Mund, sagt man. Ich würde ergänzen: …und eine Chipmunk-Gang, die dein Frühstück plündern will.

Um exakt 5:20 Uhr wache ich auf – freiwillig! Kein Wecker, keine To-Do-Liste, nur Vogelgezwitscher.

Während mein Porridge langsam einweicht raschelt es schon im Gebüsch. Die üblichen Streifenhörnchen schauen vorbei – doch diesmal sind es nicht nur zwei oder drei, sondern fünf kleine Plagegeister, die sich gegenseitig versuchen wegzujagen.

Vorsorglich stelle ich mein Porridge zur Seite (ja, ich lerne aus meinen Fehlern), aber eines der besonders dreisten Biester kriecht direkt in meine Futtertüte.

Der Chick Norris Blick hilft wieder. Die Bande verzieht sich irgendwann – wahrscheinlich, um Verstärkung zu holen.

Frühstück beendet, Sachen gepackt, und los geht's – hinein in scheinbar endlose Wälder. Malerisch? Absolut.

Aber stellenweise zeigt sich die Natur von ihrer rauen Seite: schwarze Baumstümpfe, verkohlte Stämme – hier hat das Feuer gewütet und der Geruch von Asche liegt noch in der Luft. Und doch: Gerade diese Kontraste machen den Reiz aus.

Am Argentine Rock Aussichtsturm treffe ich wieder auf John und Dan – zwei sympathische Typen, mit denen ich gestern Abend schon geplaudert habe. Gemeinsam erklimmen wir den Turm, der aussieht, als hätte ihn seit Jahren niemand mehr betreten – knarzend, windschief, irgendwie charmant heruntergekommen.

Aber: Was für eine Aussicht! Wälder bis zum Horizont, Hügel, die sich wie grüne Wellen rollen – das ist der Stoff, aus dem Reise-Kalender gemacht werden.

Unten angekommen, geht’s gemeinsam weiter – allerdings begleitet von einer Staubwolke, die alles einnebelt, was nicht bei drei auf dem Baum ist.

Als die Jungs zum Mittagessen abbiegen, verabschiede ich mich und fahre weiter nach Greenville, einem kleinen Ort, der ein bisschen wirkt wie das Set eines Westernfilms: charmant, verschlafen, mit einer Tankstelle, die vermutlich schon Hemingway kannte.

Mein Mittagessen nehme ich am Lake Almanor ein – und was für ein Ort! Türkisblaues Wasser, gesäumt von Kiefern, mit Bergen im Hintergrund, die wirken wie aus einem kitschigen Puzzle.

Ich lasse mich am Strand nieder, esse in aller Ruhe, höre dem Wellenrauschen zu und kippe anschließend in den wohlverdienten Mittagsschlaf. Besser wird’s nicht.

Oder doch? Nach dem Nickerchen geht’s weiter – über grüne Wiesen, durch dichte Wälder, die sich wie ein endloser, beruhigender Teppich ausbreiten.

In Chester denke ich kurz über den Besuch im Lassen Volcanic Nationalpark nach, aber: Die Zufahrtsstraße aus meiner Richtung ist gesperrt, Campingplätze voll oder zu – willkommen in der Realität.

Also Plan B: einfach weiterfahren, Natur genießen und schauen, wohin es mich verschlägt.

Campingplatz? Fehlanzeige. Also weiche ich spontan zum Eagle Lake aus – eine Entscheidung, die sich auszahlt. Denn dort bin ich: komplett allein.Ich falle müde, glücklich und ein bisschen staubig in meinen Schlafsack.