Tag 10 - 06.06.25

Der Tag begann ganz gemütlich. Unsere Zeltplanen lagen noch feucht auf der Wiese und warteten darauf, dass die Sonnenstrahlen sie trockneten. Und so nutzten wir die Zeit für ein entspanntes Frühstück.

Bald schon ging es wieder los: Wir fahren durch diese unendlichen Wälder vom nördlichen New Mexico, in denen die Bäume wie grüne Säulen gen Himmel ragen und die Straße wie ein endloses Band durch das Meer von Kiefern und Wacholder führt.

Zwischen Abiquiú und Cuba zeigt sich die Landschaft von ihrer besten Seite: rotbraune Felsen, dramatische Canyons, staubige Prärien und immer wieder diese sensationellen Ausblicke, die dich einfach nur „Wow“ sagen lassen. Hier draußen riecht es nach trockenem Gras und warmer Erde, und der Horizont verschwindet in einem flirrenden Blau.

In Cuba gönnten wir uns ein Mittagessen in einem kleinen mexikanischen Restaurant. Ich bestellte einen Navajo Taco – und was soll ich sagen? Dieses Gericht ist eine Wucht! Stell dir vor: ein fluffiger, frisch gebackener Fry Bread-Teig, knusprig und weich zugleich, belegt mit einer ordentlichen Portion Chili, knackigem Salat, saftigen Tomaten, geriebenem Käse und einem Klecks Sour Cream. 

Nach dieser Stärkung wurde erstmal Bob’s Motorrad von 10 Kilo festgetrocknetem Matsch befreit – in der Autowaschanlage, versteht sich. Das Wasser spritzte in alle Richtungen, und am Ende glänzte die Maschine fast wie neu.

An der Tankstelle kam ein Polizist auf mich zu. Wir plauderten kurz und ich fragte ihn, ob er ein Patch tauschen wolle. Er hätte keins dabei, war aber so nett und fuhr sogar schnell zu seiner Polizeistation, um mir eins zu holen, das ich als Andenken behalten darf.

Dann verließen wir Cuba und bogen in eine Gegend ab, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Die Landschaft der San Luis Mesa, La Lena Wilderness, Empedrado Wilderness und Ignacio Chavez Wilderness ist einfach atemberaubend. Riesige Plateaus, rotgoldene Canyons und endlose Weiten, die in sanften Wellen bis zum Horizont rollen. Es wirkt, als wäre hier die Zeit stehen geblieben. Ein Land, das atmet, das flüstert – Natur pur, so wild und unendlich. Ich konnte kaum glauben, was ich sah. Alle paar Meter wollte ich anhalten, um zu fotografieren, um einfach nur zu staunen. Es war eine dieser seltenen Erfahrungen, die dir zeigen, wie klein und gleichzeitig wie lebendig du bist.

Genau wie damals, als ich das erste Mal in Bosnien und Montenegro unterwegs war. Die Landschaft zog uns weiter in ihren Bann. Es gab keinerlei Schatten, und die Sonne brannte gnadenlos auf uns nieder – wie ein riesiger Glutball, der kein Erbarmen kennt. Irgendwann entdeckten wir einen kleinen, etwas traurigen Baum, der wenigstens ein paar Minuten Schatten spendete. Ein kleiner Moment der Erleichterung in dieser unendlichen Hitze.

Mangels geeignetem Schlafplatz wurde der Tag immer länger und länger. Schließlich fanden wir unser Nachtquartier: den Coal Mine Campground. Ein rustikaler Platz, wo wir unsere Zelte aufschlugen und die Stille der Wildnis auf uns wirken ließen. Kein Verkehr, kein Lärm – nur das Flüstern des Windes in den Bäumen. Ein Tag voller Erlebnisse, Eindrücke und Begegnungen – einer von denen, die einem noch lange im Gedächtnis bleiben.

Das sollte morgen ganz anders werden.