Tag 18 - 14.06.2025
Dieser Tag sollte wild werden. Sehr wild. Aber dazu später...
Die Nacht war ziemlich heiß. So heiß, dass ich mich kurz gefragt habe, ob ich versehentlich direkt in der Nähe des Erdkerns geschlafen habe. Doch zum Glück weckt mich heute milde Morgenluft, die sich wie ein feuchtes Handtuch auf meiner erhitzten Seele ausbreitet.
Nach einer erfrischenden Dusche, packe ich meine Sachen zusammen. Dann kommt das Frühstück. Und ihr werdet nie erraten, was es gab.
08:30 Uhr. Die Sonne hat offensichtlich beschlossen, ihre Karriere als Hochofen ernst zu nehmen. Also: T-Shirt nass gemacht, übergezogen, das hilft. Kurz. Danach fühlt es sich an, als hätte ich eine tragbare Sauna an.
Es geht nach Osten auf die Sand Flat Road. Das Ambiente? Unwirklich schön! Roter Sand, knorrige Wacholderbüsche, riesige Felswände, die aussehen, als hätte ein Riese sie mit bloßen Händen gestapelt. Ich fühle mich wie der Hauptdarsteller in einem sehr heißen Roadmovie – irgendwo zwischen Clint Eastwood und Indiana Jones mit Sonnenbrand.
Dann der Wechsel: Bull Canyon. Es geht rauf auf über 2500 Meter. Endlich! Endlich angenehmere Temperaturen! Ich nehme einen tiefen Atemzug, genieße die klare Bergluft und spüre für einen Moment, wie mein Körper aufatmet. Nur um kurz darauf wieder gegrillt zu werden, als es zügig wieder runtergeht.
Willkommen zurück im Glutofen.
Jetzt folgt die Etappe entlang des sagenumwobenen Onion Creek. Dieser Abschnitt? Ein einziges Staunen. Der Creek schlängelt sich durch enge Schluchten, durchquert dramatische Felsformationen und bietet nicht weniger als über 20 Bachquerungen – ja, zwanzig! Manchmal spritzt Wasser, manchmal auch nur Matsch, aber es fühlt sich an wie eine Dschungelprüfung auf zwei Rädern – nur viel schöner.
Ein paar Facts nebenbei: Onion Creek ist berühmt für seine auffälligen Gesteinsschichten, eisenhaltigen Formationen und „Onion Rings“ – kreisrunde, erodierte Felsbögen, die wie Zwiebelringe aussehen. Kein Scherz. Und die Farbe dieser Landschaft? Rot. Violett. Orange. Manchmal alles auf einmal.
Dann: Der Colorado River! Ich folge der UT128, und was soll ich sagen – diese Straße verdient einen eigenen Soundtrack. Links der mächtige Fluss, rechts himmelhohe Felswände, dazwischen ich – ein staunender Staubfahrer mit zu viel Sonne auf dem Kopf. Immer wieder halte ich an, starre, fotografiere, vergesse, wie heiß es ist.
Irgendwann biege ich nach Westen ab. Und dann beginnt sie: Die Prärie. Endlos. Wild. Wie aus einem Cowboyfilm, der einfach nicht enden will. Ich erwarte jeden Moment, dass irgendwo John Wayne auftaucht und mir zunickt. Um mich herum nur Weite, Hitze, knirschender Sand und die flimmernde Luft.
37 Grad. Im Fahrtwind fühlt es sich an, als hätte jemand einen Fön auf Industrieniveau direkt auf mein Gesicht gerichtet – und zusätzlich noch einen unter meine Jacke gesteckt. Der Motor tut sein Übriges. Ich schwitze. Leise. Beständig. In Würde. Fast.
Am Ende des Tages bin ich bei ungefähr 8 getrunkenen Litern Wasser angelangt. Und ja, ich habe jedes einzelne Gramm ausgeschwitzt.
Dennoch rieche ich wie eine Blumenwiese am morgen. Vielleicht auch nicht.
Es geht weiter in die Canyon-Welt von Sego und Thompson, entlang der CR332. Was für eine Kulisse! Felswände wie aus einem Fantasy-Roman, versteckte Höhlen, uralte Petroglyphen und eine Atmosphäre, die man nicht beschreiben kann – man muss sie erlebt haben. Diese Canyons erzählen Geschichten, man hört sie fast flüstern, wenn man stehen bleibt (oder es vielleicht doch die Hitze?).
Und dann, plötzlich, ein Gedanke: Wie großartig wäre es, diese Tour mit Dirk, Daniel oder Cédric zu machen? Oder am besten gleich mit allen! Ich bin mir sicher – sie würden genauso lachen, schwitzen, fluchen und staunen wie ich. Nur mit mehr schlechten Witzen. Jungs – seid gegrüßt! Ich freue mich schon jetzt auf unsere zukünftigen Touren.
Und wie das so ist – so viel Staunen macht hungrig. Ich erreiche die Stadt Green River, und was soll ich sagen? Quesadillas! Endlich! Kross, käsig, großartig. Dazu ein riesiger Becher eiskaltes Wasser, der so schnell verdunstet, dass ich mir nicht mal sicher bin, ob ich ihn getrunken habe.
Nach ein bisschen Abkühlung und einem Blick auf die Karte entscheide ich mich für einen Campingplatz weiter nördlich. Der Weg dahin? Wieder einmal unendliche Wildnis, diesmal entlang der Cottonwood Wash Road. Diese Straße ist eine Hommage an die Einsamkeit: endlose Weiten, trockene Flussbetten, zerzauste Baumwüsten und der Soundtrack des Windes in meinen Ohren. Hier fährt man nicht einfach – hier reist man.
19:30 Uhr. Ich erreiche den Campingplatz. Zelt aufbauen, ein paar letzte Notizen – und dann falle ich erschöpft, aber glücklich, in meinen Schlafsack.
Morgen? Da wartet schon der nächste Nationalpark. Und wer weiß – vielleicht wird der noch wilder...