Tag 38 - 05.07.25


Ich erwachte heute Morgen in einem richtigen Bett, was nach den letzten Zeltnächten einfach grandios war.

Noch leicht verschlafen begann ich, ein wenig aufzuräumen, um das Chaos meiner Taschen in eine halbwegs zivilisierte Ordnung zu bringen. 
Danach putzte ich mir die Zähne und bereitete mir ein Frühstück zu. Im Anschluss machte ich ein paar Minuten Morgengymnastik, um meine müden Knochen wieder in Schwung zu bringen.


Danach brachte ich schon einmal die ersten Sachen zum Motorrad und nutzte die Gelegenheit, die Kette zu ölen, was nach der gestrigen Regenschlacht bitter nötig war.

Im Anschluss telefonierte ich mal wieder mit meiner Mama. Sie ist doch einfach die Beste – egal wo ich gerade in der Weltgeschichte herumgurke.


Nach dem Frühstück ging es noch kurz zum nächsten Supermarkt, um meine Vorräte aufzustocken. Ich tankte voll, warf einen letzten Blick auf die Karte, startete die Maschine und machte mich auf Richtung Yellowstone Nationalpark.


Zuerst fuhr ich auf der I-90 Richtung Osten, bevor ich auf die US287 abbog. Das Fahren selbst war wenig spannend, aber die Landschaft links und rechts machte das mehr als wett. Beeindruckende Berge ragten in den Himmel, ihre Spitzen leuchteten in der Morgensonne, während Täler sich in sattem Grün und Gelb unter mir ausbreiteten. Mehrmals überquerte ich den Continental Divide, die große Wasserscheide Nordamerikas: Alles Wasser westlich davon fließt in den Pazifik, alles östlich in den Atlantik oder Golf von Mexiko. 


Gegen 12:30 Uhr erreichte ich West Yellowstone, das westliche Tor zum Yellowstone Nationalpark. 


Der Yellowstone ist der älteste Nationalpark der Welt (1872 gegründet) und bekannt für seine Geysire, heißen Quellen, wilden Flüsse, tiefen Canyons und vor allem seine Tierwelt mit Bisons, Grizzlys, Wölfen und Elchen. 


Der Park liegt auf einem gigantischen Supervulkan mit einer aktiven Magmakammer, die für die beeindruckenden geothermischen Aktivitäten sorgt, die man hier überall sehen und riechen kann.


Nach einem kleinen Mittagessen fuhr ich in den Park hinein – und wow, hier war richtig was los. Ein riesiger Stau bewegte sich nur im Schneckentempo, aber ich konnte mich glücklicherweise mit dem Motorrad an den wartenden Autos vorbeischlängeln.


Mein erster Stopp war der Firehole Canyon. Hier rauscht der Firehole River durch einen rot leuchtenden Canyon, vorbei an Felsen, dampfenden heißen Quellen und kleinen Wasserfällen. Ich machte die ersten Fotos, während der Wind mir den Geruch von Schwefel in die Nase wehte.


Mein nächster Halt war das Midway Geyser Basin, bekannt für das Grand Prismatic Spring, die größte heiße Quelle der USA. Aus der Ferne sah ich die leuchtenden Farben: tiefes Blau in der Mitte, umrandet von leuchtenden Gelb-, Orange- und Rottönen, die durch thermophile Bakterien entstehen. Ich zog meine Motorradstiefel aus und schlüpfte in meine normalen Schuhe, um gemütlich über die Holzstege zu laufen und dieses Naturwunder aus nächster Nähe zu betrachten, während Wolken von heißem Dampf über die Fläche zogen.


Danach fuhr ich weiter zum Old Faithful Geysir, einem der bekanntesten Geysire weltweit, der etwa alle 90 Minuten ausbricht und eine bis zu 50 Meter hohe Wasserfontäne in den Himmel schießt.

Ich war jedoch zu ungeduldig, um auf den nächsten Ausbruch zu warten, und wanderte stattdessen zu einem Aussichtspunkt in der Nähe. Auf dem Weg dorthin lag plötzlich ein Bison im Schatten eines Baumes, seelenruhig kauend. 


Im Yellowstone leben etwa 5.000 Bisons, die größten Landtiere Nordamerikas, und sie sind oft gemütlich auf den Wiesen oder auch direkt auf der Straße unterwegs. 


Ich ging vorsichtig mit einem Abstand von etwa 15 Metern vorbei, das Bison nahm kaum Notiz von mir und lag auch beim Rückweg noch immer da – diesmal schlief es allerdings tief und fest. Ich kuschelte mich also dazu und was soll ich sagen. Echt flauschig das Teil. Scherz!


Während hunderte Touristen weiter auf den Ausbruch des Old Faithful warteten, ging ich zurück zu meinem Motorrad. Ich wollte jetzt erst einmal zum Campingplatz fahren, um mein Zelt aufzubauen und bequeme Klamotten anzuziehen, was allerdings bedeutete, dass ich noch eine Stunde durch den Park fahren musste.

Aber auch das war nicht langweilig. Unter anderem kam ich am Yellowstone Lake vorbei.

Er befindet sich auf etwa 2.357 m Höhe über dem Meeresspiegel.
Er ist der größte Hochgebirgssee in Nordamerika und hat eine Fläche von ca. 352 km².
Am Grund gibt es zahlreiche heiße Quellen und hydrothermale Aktivitäten.

Als ich endlich am Campingplatz ankam, checkte ich ein und baute mein Zelt auf. Danach verstaute ich all mein Essen und alles, was auch nur im Entferntesten nach Essen oder Seife roch, im Bärencontainer an meinem Platz, wie es hier Vorschrift ist. Schließlich leben sowohl Grizzlys als auch Schwarzbären im Park, und es gibt angenehmere Weckmethoden als einen hungrigen Bären vor dem Zelt.


Frisch umgezogen fuhr ich ins Lake Village, um etwas zu Abend zu essen, musste aber feststellen, dass es dort nur ein Restaurant für die Schönen und Reichen gab. Da passte ich mit meinem Abenteuerlook heute nicht ins Ambiente.

Also fuhr ich weiter und durchquerte das Hayden Valley, eine weite, offene Ebene, in der Bisons grasten und der Yellowstone River in sanften Kurven glitzerte. Das Hayden Valley ist einer der besten Orte im Park, um Wildtiere zu beobachten, besonders am frühen Morgen oder späten Abend, wenn Elche und manchmal auch Wölfe in der Dämmerung zu sehen sind.

Mein nächster Halt war der Mud Volcano. Hier blubberten schlammige Pools vor sich hin, während es aus dampfenden Erdspalten zischte und die Luft nach faulen Eiern roch. Die brodelnden Schlammlöcher entstanden durch die geothermische Aktivität direkt unter der Oberfläche, die den Schlamm erhitzt und zum Kochen bringt.


In der Nähe fand ich schließlich einen kleinen Laden, in dem ich mir ein Sandwich kaufte und aß, bevor ich zum Campingplatz zurückkehrte.


 Ich machte mich bettfertig, kroch in meinen Schlafsack und lauschte dem Wind, der durch die Bäume strich, während in der Ferne ein Kojote heulte.
So endete ein Tag voller Natur, Abenteuer, Bisons und blubbernder Vulkane im Yellowstone.

Der nächste Tag sollte wieder alles haben. Von Drama bis Höhepunkten...