Tag 47 - 14.07.25
Auch heute sollte wieder anders werden, als ursprünglich gedacht. Aber genau das ist ja das Schöne am Alleinreisen: Man kann Pläne auch einfach mal in die Tonne treten, ohne dass jemand protestiert.
Eigentlich wollte ich heute einen entspannten Wandertag einlegen, schön relaxen, vielleicht ein bisschen in der Sonne dösen und Gott einen fommen man sein lassen. Also schlief ich erstmal in meinem schönen Hostelbett aus (besser kann ein „Wandertag“ ja kaum starten), frühstückte gemütlich und überlegte mir „etwas“.
Dieses „etwas“ kam in Form einer Erinnerung: Vor sechs Wochen war ich in Durango und sah dort die historische Eisenbahn, die nach Silverton rattert. Damals dachte ich schon, wie cool es wäre, da mitzufahren, aber ich war mir unsicher, ob ich mir diesen Luxus gönnen sollte. Gestern Abend stolperte ich dann zufällig im Hostel über das Buch Wanderlust, in dem es um die interessantesten Aktivitäten weltweit ging. Und was blinkte mir da entgegen? Genau diese Zugfahrt. Ein Zeichen!
Also buchte ich spontan die Zugfahrt für morgen und gleich noch ein Hostelzimmer in Durango für zwei Nächte, damit ich meine Motorradklamotten dort lassen konnte.
Nach Durango wären es gemütliche zwei Stunden auf der Straße gewesen. Oder… ich folge dem BDR (Backcountry Discovery Route), habe noch etwas Spaß und springe später auf die Straße.
Na, was denkt ihr? Klar, ich entschied mich natürlich für den BDR. Also nix mit Wandern – Motorradklamotten an und ab in die Berge.
Die Landschaft war heute zwar nicht spektakulär, aber der Spaßfaktor stimmte: Steine, Schotter, ein bisschen Sand, Pinienwälder – alles nicht wirklich Instagram-tauglich, aber 100-mal lustiger als Straße.
Mein Vorderreifen war allerdings inzwischen völlig am Ende, sodass ich in den Kurven eher wedelte als fuhr und immer wieder kleine Hoppala-Momente einbaute.
Nach einer Weile erreichte ich Dolores und bog dann nach Osten Richtung Durango ab. Noch eine Stunde Straße, während die Wolken über mir immer dunkler wurden. Und 10 Minuten vor Durango kam, was kommen musste: Eine gratis Dusche, kräftig, aber kurz. Immerhin, besser als den ganzen Tag zu schwitzen.
Im Hostel angekommen, parkte vor meinem Zimmer schon ein anderes Motorrad, und drinnen traf ich Jeff, den Besitzer. Wir kamen ins Gespräch über Reiseziele, Routen, Pannen und Träume. Aus dem kurzen Gespräch wurde ein langes, und wir beschlossen, zusammen essen zu gehen.
Es ging zu einem scheinbar richtig gutem Mexikaner, der Laden war wirklich rappelvoll.
Jeff erzählte von seinen abenteuerlichen Reisen nach Asien, Südamerika und Co. während ich gespannt lauschte. Da ich heute Geburtstag hatte, lud ich ihn ein – und beim Bezahlen verriet er der Kellnerin, dass ich Geburtstag habe. Na super.
Kurze Zeit später standen die Kellnerin und zwei ihrer Kollegen mit einer Gitarre und Rasseln vor mir, setzten mir einen klassischen Sombrero auf und sangen mir ein Geburtstagsständchen, während zwei von ihnen schauten, als würden sie lieber alles andere machen.
Es gab Churros mit Schlagsahne aufs Haus, die ich sonst nicht bestellt hätte – aber hey, sie waren lecker. Danach schlenderten wir zurück ins Hostel, unterhielten uns noch über alles Mögliche, bis ich irgendwann zufrieden ins Bett fiel.
Falls sich jetzt jemand fragt, warum ich meinen Geburtstag so verbringe: Ganz einfach – ich bin kein großer Geburtstagsfeierer. Auf dieser Reise habe ich mich jeden Tag selbst gefeiert, und ich brauche keinen speziellen Tag dafür. Älter fühle ich mich auch nicht, höchstens, weil ich schon länger keinen Sport mehr gemacht habe. Mit dieser Reise habe ich mir sowieso den größten Geburtstagswunsch selbst erfüllt. Es war ein Geburtstag genau nach meinem Geschmack. Prost.
Und vielen, lieben Dank und sonnige Grüße an alle Gratulanten.