Tag 30 - 27.06.25

Um 5:30 Uhr von der Sonne geweckt zu werden, die golden über dem Hart Mountain aufgeht, klingt romantisch. Ist es auch – für genau fünf Minuten, bis der Magen knurrt und der Körper einem erklärt, dass er das Isomatten-Gewurschtel der Nacht nicht vergessen hat.

Nach dem üblichen Morgenritual (Zähneputzen, in die Ferne starren und das eigene Dasein als staubiger Cowboy der Neuzeit feiern) gönnte ich mir noch ein paar Minuten auf meinem Felsen-Thron, bevor ich nach dem Frühstück irgendwann loszuckelte.

An die zahlreichen Mücken hatte ich zu diesem Zeitpunkt ungefähr 5 Liter Blut gespendet.


Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste:

Der Tag würde mich so hart durchkneten wie eine billige Massagepistole.
Es ging wieder rein in die Wüste Richtung Nordwesten, wo der Horizont nicht aufhörte, Wüste zu sein. Zum Glück war es nicht so heiß, wie in Utah oder Arizona. Ungefähr 25°C.

Vom Coyote Hill aus hatte ich einen grandiosen 360°-Blick auf unendliche Weiten – der Moment, in dem man sich kurz wie ein König fühlt, bevor man wieder auf den Sattel muss.


Zunächst ging es gemütlich über Schotterpisten, aber dann wurde es richtig steinig. Ich wurde ordentlich durchgeschüttelt, fuhr im Stehen, damit mir die Bandscheiben nicht abhanden kamen, und jede Mini-Ebene wurde gnadenlos genutzt, um kurz den Rücken zu entspannen.


Und der Spaß hörte einfach nicht auf. Kilometer um Kilometer über Stock, Stein und gefühlt auch über jeden einzelnen Felsen von Oregon. Das war kein “Abenteuer-Feeling” mehr, sondern ein “Ich-will-das-überleben-und-danach-niemals-wieder-ansehen”-Modus.

Die Konzentration wurde zum Dauerbrenner, während mein Körper zur menschlichen Rüttelplatte mutierte. Ich hoffte, dass dies zeitnah ein Ende hat.
Nach ungefähr 150 Kilometern: Straße! Asphalt! Halleluja! Ich habe mich noch nie so sehr gefreut, wieder auf einer Straße zu fahren.


Nach dieser Tortur rollte ich in Christmas Valley ein, warf mir ein Mittagessen rein und gönnte mir dort ein glorreiches Mittagsschläfchen im Schatten – was sich in dem Moment anfühlte wie ein All-Inclusive-Wellnessurlaub.


Danach fuhr ich weiter zu einem Ort, der den Namen “Crack in the Ground” trägt. Ein Riss im Boden, tatsächlich.
Ein paar Fakten zum Crack in the Ground, Oregon:


• Ein 3 km langer vulkanischer Riss im Boden, bis zu 20 m tief.

• Entstanden durch vulkanische Aktivität vor etwa 1.000 Jahren.

• Du kannst im Riss wandern, es bleibt dort angenehm kühl, auch wenn außen die Sonne brennt.

• Einer dieser Orte, an denen man kurz an einen Indiana-Jones-Moment glaubt, bevor man wieder in den Staub tritt.

Nördlich von Christmas Valley verwandelte sich die Hochwüste langsam wieder in grünere Natur, Bäume tauchten auf, bis ich mich irgendwann in unendlichen Wäldern wiederfand. 


Klingt schön, oder? Tja, leider verwandelte sich der Trail dort in eine nicht enden wollende Waschbrettpiste, die dich ebenfalls nonstop durchrüttelt, nur diesmal ohne den Nervenkitzel der Steine.


Der Tag endete schließlich am East Lake Resort, wo ich mir erstmal beim Grill ein Chicken Sandwich mit kleinem Salat gönnte, bevor ich mir eine gemütliche Kabine mietete.
Zum Runterkommen schlenderte ich noch den Strand des Sees entlang, wo ich ein paar Rehe im Sonnenuntergang beobachtete. 


Danach schaute ich mir die örtliche heiße Quelle an. Und ja, sie war wirklich heiß. Und ja, es roch nach verfaulten Eiern. Ich hoffe sehr, dass der Geruch nur von der heißen Quelle kam.


Später am Abend fiel ich endlich mal wieder in ein richtiges Bett, während draußen der Wind durch die Kiefern rauschte, mein Rücken sich leise beim Universum beschwerte und ich schon in den Schlaf rutschte – in Vorfreude darauf, morgen früh wieder um 5:30 Uhr von der Sonne geweckt zu werden.