Tag 8 - 04.06.25
Ich wache im Hostel in Durango auf, die Sonne kippt bereits über die Kante der Berge. Mein Zimmernachbar hinterlässt eine angefangene Pizza im Bad.
Durango hat so einige spannende Eigenheiten zu bieten: Die Stadt wurde 1880 als Eisenbahner-Siedlung gegründet. Noch heute pufft und dampft hier die historische Silverton Schmalspurbahn, die abenteuerlustige Besucher hoch in die unberührten Berge.
Als erstes checke ich den Status meines heiß ersehnten Paketes. Bob hatte mir den Tip gegeben, dass wir sehr staubiges Gelände befahren und deshalb ein weiterer Luftfilter Sinn macht. Meine erste Bestellung war erst für Dienstag terminiert und wurde dann auf Samstag verschoben, also deutlich zu spät. Ich bestellte also am Montag erneut, diesmal mittels NextDayDelivery. Diese sollte heute eintreffen. Hat aber beim letzten Mal auch nicht geklappt.
So sitze ich also in meinem Hostelzimmer, starre aus dem Fenster in Richtung Sonnenaufgang und hoffe insgeheim darauf, dass ich mein Paket heute Nachmittag in Empfang nehmen kann. Sonst müsste ich einen Tag Däumchen drehen.
Irgendwann blinkt mein Handy auf – das Paket mit dem Luftfilter scheint doch auf dem Weg zu sein! Völlig aus dem Häuschen sammle ich meine Sachen zusammen und mache mich startklar. Heute treffe ich mich nämlich mit Bob – laut Plan in Antonito, wo ich das Paket an ein Post gesendet habe.
Normalerweise finde ich auf der Straße fahren mega langweilig, weil ich mein Herz ans Offroad-Fahren verschenkt habe. Doch die Strecke zwischen Durango und Antonito macht mir dieses Mal alle Münder auf — im wahrsten Sinne des Wortes. Schon kurz hinter Durango windet sich die Straße in sanften Kurven, und rechts und links erstrecken sich grünen Wiesen, in denen wilde Lupinen und gelbe Sonnenblumen im Wind tanzen. Hinter jeder Kurve tauchen schroffe Felsformationen auf, die in der Morgensonne leuchten wie glühende Kohlen. Riesige Kiefern und Espen begleiten mich, bis die sanften Hügel in weite, offizielle „High Plains“ übergehen – ein Teppich aus Gras, der sich bis zum Horizont zieht. Fast könnte man vergessen, dass man immer noch auf Teer unterwegs ist.
Antonito empfängt mich mit seinem historischen Flair: Das kleine Städtchen zählt kaum mehr als 600 Einwohner, ist aber genau der Ort, an dem noch regelmäßig die alte Cumbres & Toltec Scenic Railroad vorbeipfeift – ein gigantischer Dampfzug, der sich gemächlich über die Berge zur New Mexico-Grenze schlängelt. Fun Fact: In Antonito steht das höchste Eisenbahndepot der USA, auf rund 2.200 Metern, und wer mag, kann das Rio Grande Scenic Railroad Museum besuchen, das Geschichten alter Spurweiten und der ratternden Lokomotiven erzählt.
Ich parke also meine Maschine bei der Post und warte, weil laut Sendungsverfolgung ist das Paker noch auf dem Weg. Irgendwann bekomme ich eine Nachricht, dass der Empfänger das Paket abgelehnt hatte. Kurz vor meinem Eintreffen. Jetzt war ich erstmal geschockt. Wo ist das Paket? Kann ich es heute noch bekommen? Ich frage nochmal im Post Office nach und sie meinte, hier wäre niemand da gewesen. Da ich das Paket aber unbedingt so schnell wie möglich brauche, damit ich endlich losfahren kann, rufe ich bei FedEx an. Sie versuchen das Paket zu finden und meinten ja, es wurde abgelehnt und ist auf dem Rückweg nach Alamosa ins Depot. Nun versuche ich den Herrn vom Customer Service zu überzeugen, dass ich das da heute noch abholen kann. Er ruft daraufhin in der Filiale an und kann erreichen, dass ich es tatsächlich abholen kann. Also aufs Motorrad geschwungen, Gas gegeben und nochmal eine halbe Stunde wieder Richtung Norden gefahren. Das Gute ist, dass Bob auch nicht mehr weit von Alamosa weg war und wir uns dann da treffen könnten.
Am Depot angekommen, klingele ich am Tor und die Dame antwortet über die Rufanlage sie würde das Paket suchen. Es dauert und dauert. Irgendwann kommt sie dann mit einem Paket raus und "I had to hunt it down". Und ich freue mich riesig, wril ws dann am nächsten Tag endlich wieder richtig losgehen kann.
Kurz danach erscheint Bob mit seiner Maschine und wir entschließen uns erstmal thailändisch Essen zu gehen. Im "Happy Thai" gibt es dann ein hervorragendes Pad Thai mit Shrimps. Oder laut Karte "Shirmp". Das erinnert mich an herrlich an die Rechtschreibfehler in deutschen Asia-Restaurants.
BDR New Mexico, Baby! Schließlich rollen wir zurück zum nahegelegenen Campingplatz „Riverbend“, wo wir unsere Zelte aufschlagen. Die Luft ist klar, und das Zirpen der Grillen begleitet uns, als wir uns in die Schlafsäcke sinken lassen.
Morgen früh heißt es endgültig: Raus aus dem Zelt, rauf auf die Piste und rein ins Offroad-Abenteuer des BDR New Mexico.